Am 18.5.19: Gelungene Feier in Franzensfeste anlässlich Verleihung der Auszeichnung "Bahnhof des Jahres 2019"

Bahnhof des Jahres 2019: Karl Polig (Bezirkspräsident Wipptal), Arthur Scheidle (Vizepräsident Verein Freunde der Eisenbahn, Jury-Präsident), Vincenzo Lamberti (RFI), Martin Außerdorfer (Präsident STA und BBT), Walter Weiss (Präsident Freunde der Eisenbahn), Thomas Klapfer (Bürgermeister Franzensfeste), Daniel Alfreider (Landesrat für Mobilität), drei ehemalige Eisenbahner des Bahnbetriebswerkes Franzensfeste: Basilio Marzinotoo, Giovanni Soldá und Romano Cianchetta(Foto: Herbert Kaserer).
22.05.2019

Die Musikkapelle Rodeneck gab den Auftakt zur Feier und begleitete diese.

Der Bürgermeister von Franzensfeste, Thomas Klapfer, konnte eine Reihe von Ehrengästen begrüßen, darunter den Präsidenten des Vereins Freunde der Eisenbahn, Walter Weiss, den Vorsitzenden der Jury, Arthur Scheidle und den Vertreter von RFI, Vincenzo Lamberti. Weiters den Präsidenten der STA (Südtiroler Transportstrukturen AG), Martin Ausserdorfer und den Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Wipptal, Karl Polig, sowie Verena Dibiasi, Stadträtin in Sterzing. Später kam noch der Landesrat für Mobilität, Daniel Alfreider dazu. Auch eine Reihe von Mitgliedern des Vereins Freunde der Eisenbahn waren angereist und auch noch andere Eisenbahnfans.

Bürgermeister Thomas Klapfer ging abwechselnd in beiden Landesssprachen auf die Bedeutung der Eisenbahn für Franzensfeste ein. Franzensfeste sei "ein Synonym für Eisenbahn schlechthin", da der Ort vor 150 Jahren als Bahnknotenpunkt entstanden sei. Es gab ein goldenes Zeitalter, wo es mehr Arbeitsplätze als Einwohner gab. Mit dem EU-Beitritt Österreichs 1995, dem Aufheben der Grenzen in Europa nach dem Schengenabkommen und die Automatisierung der Bahn hatten allerdings die Folge, dass die meisten Arbeitsplätze bei Bahn und Zoll verloren gingen und große Teile des Bahnhofsgeländes seitdem brachliegen. Der Niedergang des Güterverkehrs auf der Schiene und die zunehmende Verlagerung des Güterverkehrs auf die Autobahn in Südtirol waren auch Gründe dafür, das sei noch hinzugefügt. Über die weitere Zukunft des Bahnhofs Franzensfeste sprach der Bürgermeister dann noch etwas später (siehe unten).

Der Bahnhof sei nach der Restaurierung nun ein Prunkstück. Ein Dank erging an all jene, die zum Gelingen beigetragen haben, einmal die STA, welche die Planung über hatte und dann RFI, welche die Arbeiten durchgeführt hat und nicht zuletzt die BBT-Gesellschaft, welche die notwendigen Mittel dazu zur Verfügung gestellt hat. Ein Dank erging auch an die Arbeitsgruppe für Regionalentwicklung und dem Amt für Denkmalschutz. Auch die Gemeinde hat sich beteiligt, indem sie den Bahnhofsplatz neu gestaltet hat. Derzeit gäbe es leider weder eine Bar noch einen Kiosk. Die Gemeinde wolle sich aber dafür einsetzen, dass sich wieder ein Pächter findet.

Walter Weiss, Präsident des Vereins Freunde der Eisenbahn, erinnerte daran, dass die Politik erst mühsam für den Ausbau des Eisenbahnnetzes sensibilisiert werden mussten. Anfangs waren nur drei Bürgermeister des Vinschgaus für die Wiederinbetriebnahme der Vinschgaubahn, jetzt wolle niemand mehr sie missen. Sei sei ein Erfolgsmodell geworden. Ebenso die Aktion "Bahnhof des Jahres": Franzensfeste ist bereits nach Niederdorf, Schluderns, Marling, Toblach, Oberbozen und Waidbruck der siebte Bahnhof, der diese Auszeichnung bekommt. Weiss gratuliert allen Beteiligten recht herzlich dazu und überreicht die Plakette, die gut sichtbar im Bahnhof angebracht werden sollte.

Arthur Scheidle, Vizepräsident des Vereins und Vorsitzender der Jury nannte in seiner "laudatio" die Gründe für die Auszeichnung: Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Franzensfeste sei vom berühmten Architekten, Wilhelm von Flattich, entworfen und mit dem Bau sei 1869 begonnen worden. Als einer der wenigen Bahnhöfe der Südbahngesellschaft habe er eine Holzschindelverkleidung, sei also in mehrfacher Hinsicht ein historisch besonders wertvoller Bahnhof. Seit 2004 steht er unter Denkmalschutz. Als Knotenpunkt an der Brennerbahn werde er immer noch sehr stark als Umsteigebahnhof von und aus dem Pustertal genutzt. Im Kernbereich sei er nun sehr vorbildlich saniert worden, ein wesentliches Element für die Zuerkennung der Auszeichnung "Bahnhof des Jahres 2019".
Der Bahnhofsvorplatz sei einladend gestaltet und hier befindet sich auch die Haltestelle der Busse. Es gibt eine gute Anbindung an den Fahrradweg und es wurden Parkplätze für Pendler eingerichtet. Der Bahnhof wurde auch insofern modernisiert, als dass es Aufzüge und einen auf Zugniveau erhöhten Bahnsteig gibt, er ist also nun barrierefrei Auch wurde der Mittelbahnsteig überdacht und bietet wartenden Reisenden nun Schutz bei schlechtem Wetter. Arthur Scheidle bedankte sich bei allen Beteiligten (STA, RFI, BBT), aber besonders bei den Promotoren, dem Bürgermeister Thomas Klapfer und seinen Vorgängern Richard Amort und  Johann Wild. der das Vorhaben mit Engagement vorangebracht habe. Arthur Scheidle sprach auch davon, dass er bei seinen Fahrten durch Italien bemerkt habe, dass entlang der Hauptlinien viel investiert worden sei, auf den Nebenlinien hingegen gäbe es noch großen Nachholbedarf. Auch in Südtirol gäbe es bei den größeren Bahnhöfen noch viel zu tun, z.B. im Bahnhof Meran, wo die Fahrgäste weite Wege zu den Zügen zurücklegen müssten und die Mittelbahnsteige im Bereich der Züge keine Überdachungen haben.

Auch der Vertreter der RFI, Herr Vincenzo Lamberti nützte die Gelegenheit, Grußworte an das Festpublikum zu richten. Er versprach, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Eisenbahninfrastruktur in Südtirol den heutigen gesteigerten Bedürfnissen nach Mobilität anzupassen. Eine Reihe von Projekten sollen demnächst angegangen werden: Riggertalschleife und Ausbau Meran-Bozen mit einem eigenen Gleis durch ein neu zu bauendes Virgl-Tunnel.

Der Präsident der STA, Vorstandsmitglied bei der BBT-Gesellschaft und Leiter der Beobachtungsstelle des BBT, Martin Außerdorfer, sprach die komplexe Abwicklung solcher Vorhaben wie die Sanierung eines Bahnhofes wie hier in Franzensfeste an. Nur ein effizientes Zusammenspiel aller Akteure garantiere einen Erfolg. Im Falle Franzensfeste habe der BBT finanziert, die RFI habe die STA beauftragt und dann gab es eine Reihe von Besprechungen und Lokalaugenscheinen, mit Denkmalamt, mit dem Architekten usw. Überbordende Bürokratie verhindere leider häufig eine rasche Umsetzung. Erst heuer könnten z.B. die Mobiltätszentren Brixen und Bruneck ausgeschrieben werden, obwohl schon länger in Vorbereitung. Außerdorfer brachte es auf den Punkt "80% Zettelwirtschaft, 20% Bauzeit". Für Sterzing sei der Einbau von Liften geplant, neue Züge würden angekauft, die in Zukunft die Strecken Mals - Innsbruck und Mals - Lienz ohne Umstieg bedienen werden.

Bürgermeister Thomas Klapfer konnte zum Abschluss noch eine für Franzensfeste besonders erfreuliche Mitteilung machen: Franzensfeste erhält einen voll funktionierenden Personenbahnhof auf der neuen BBT-Strecke, nach der bisherigen Planung wären die Züge an Franzensfeste durchgefahren, jetzt können sie auf zusätzlichen Gleisen halten und Passagierdienste versehen. So könne Franzensfeste auch in Zukunft ein Bahnknotenpunkt bleiben.

Bürgermeister Klapfer verwies auf die Krise, in die der Autoverkehrs in Zeiten des Klimawandels immer tiefer gerate. Auch der Flugverkehr werde immer kritischer betrachtet, so dass die Eisenbahn eine große Zukunft haben werde.

Er bedankte sich noch bei der Feuerwehr, die für den Frühschoppen sorgte und der Brixen Tourismusgenosseschaft, der Gärtnerei Reifer, sowie natürlich für die Musikkapelle Rodeneck für die Mithilfe bei der Gestaltung der Feier.

Beim geselligen Beisammensein wurde noch lebhaft diskutiert: Welche Rolle wird Franzensfeste als Bahnhof nach Inbetriebnahme der Riggertal-Schleife noch haben? Werden nach Inbetriebnahme des BBT wirklich Hochgeschwindigkeitszüge in Franzensfeste halten? Bleibt die Bestandsstrecke Franzensfeste - Mühlbach erhalten? Wird es in Zukunft wieder Korridorzüge Lienz - Innsbruck über den BBT geben? Soll in Grassstein ein Bahn/Straße-Güterumschlagplatz errichtet werden, den Südtirol so dringend braucht oder belastet das zu sehr das Dorf? Würde sich Franzensfeste nicht als Abstellplatz für Touristiksonderzüge eignen? Wäre ein Zug-Shuttle vom Bahnhof in die Franzensfeste nicht eine tolle Sache? Dazu müsste man halt den Militärbahnhof in der Franzensfeste wieder reaktivieren ...

Wäre Franzensfeste nicht geeignet für die Stationierung einer historischen Zuggarnitur für die Durchführung von Erlebniszügen? Eine intakte Drehscheibe gibt es bereits, vielleicht ließe sich mit dem BBT-Umweltschutz-Tranfer-Geld die Remise in deren Nähe versetzen und darin eine Dampflok und historische Wagen unterbringen.

Unter den Festgästen waren auch ehemalige Bahnbedienstete und Lokführer des ehemals umfangreichen Bahnbetriebswerkes Franzensfeste, die auch als Pensionisten immer noch mit Feuer und Flamme Eisenbahner sind. Mit denen und weiteren Ehrenamtlichen ließe sich ein Betrieb von Erlebniszügen durchaus vorstellen.
Einer dieser Begeisterten halte sich öfters aus Passion am Bahnhof auf und helfe den Reisenden bei der Bedienung der Fahrkartenautomaten oder gebe Auskünfte. Der Bahnhof ist ja mittlerweile unbesetzt. Ein solches Engagement könnte man sich für die vielen mittlerweile "unbemannten" Bahnhöfe in Südtirol nur wünschen ...

Berichterstatter: Dr. Herbert Kaserer

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