Bahnhof des Jahres 2017: Toblach. Feierliche Übergabe der Auszeichnung am 20. Mai

Der Bahnhof Toblach mit Teilen der Festgesellschaft
21.05.2017

Am 20. Mai erklangen am Bahnhof Toblach die fröhlichen Klänge der Jugendband "Blechzinnen" und einer Kinderband, sehr zur Freude der zahlreichen Anwesenden. Was war der Anlass?

Nun, die Gemeinde Toblach ist die 5. Gemeinde, die vom Verein der Eisenbahnfreunde das Prädikat "Bahnhof des Jahres" verliehen bekommen hat und das wurde am Samstag, dem 20. Mai, ausgiebig gefeiert.

Viele Bürgermeister der Region hatten sich eingefunden, auch die Landtagsabgeordenten Hans Heiss und Roland Tinkhauser. Da Toblach auch ein Flugfeld hat, war auch ein Vertreter der Luftwaffe in Galauniform anwesend.

Eingeladen haben der Bürgermeiser Guido Bocher und die Gemeindreferentin Greta Niederstätter-Serani, welche die Feier organisiert hat.

Der Bürgermeister verwies auf die traditonsreiche Geschichte des Bahnhofes, der vom rennomierten Architekten Wilhelm von Flattich im Jahre 1871 im Auftrag der k.u.k. privilegierten Südbahn errichtet worden ist. Es ist dies ein stattlicher Bahnhofsbau, bestehend aus 2 Trakten mit 2 Glasveranden zur Gleisseite hin. Das Hauptgebäude ist in Granit ausgeführt. Der Bahnhof war das Tor zu den Dolomiten und auch gewissermaßen die "Empfangshalle" des dahinterliegenden Südbahnhotels, das erklärt auch die Größe und die noble Ausführung.

Das Südbahnhotel dient jetzt als Grandhotel-Komplex nach einer bewegten Geschichte mit Blütezeiten und Niedergang und nach einer Generalsanierung als Jugendherberge, eine Musikschule, ein Kulturzentrum und ein Naturparkhaus beherbergend.

Der Bahnhof Toblach war von 1921 bis 1964 auch End-/Zielbahnhof der Dolomitenbahn nach Cortina und weiter nach Calalzo, wo Anschluss an die Staatsbahn bestand.

Toblach wirbt mit den "Drei Zinnen", das besondere Markenzeichen des Weltkulturerbes Dolomiten. Die Gemeinde möchte mit Qualitätstourismus punkten und setzt unter anderem auf nachhaltige Mobilität, daher auch die Pflege des weitgehend denkmalgeschützten Bahnhofes.

Große Hoffnung setzt man auch auf die Reaktivierung der Dolomitenbahn Toblach - Cortina- Venedig. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass Toblach als Ausgangspunkt die kürzeste und billigste Variante wäre.

Der Präsident der Vereins Freunde der Eisenbahn, Walter Weiss mit Vereinskäppi, ließ in seinem kurzen und humorvollen Auftakt Begeisterung für die Bahn aufkommen. Er betonte, wie erfreulich der Anlass sei.

Er war auch schon im Vorfeld bei der Werbung neuer Mitglieder erfolgreich, was schmunzelnd vermerkt wurde.

Der Vorsitzende der Jury "Bahnhof des Jahres", Dr. Arthur Scheidle begründete die Verleihung der Auszeichnung. Zum einen mache der geschichtsträchtige, denkmalgeschützte Bahnhof einen sehr gepflegten Eindruch, was auf besonderes Engagement der Gemeinde schließen lasse, zum anderen sei er auch ein moderner Bahnhof mit fahrgastfreundlichen Einrichtungen, wie hohe Bahnsteige, Aufzüge und einem übersichtlichten Informationssystem. Der Fahrgast wird beim Betreten von der Gleisseite in mehreren Sprachen begrüßt und erhält Informationen über die Geschichte des Bahnhofs als auch über das Ensemble, das er zusammen mit dem Grandhotel bildet. Der Fahrgast hat nur wenige Schritte zu den überdachten Bussteigen zurückzulegen, so dass man von einem richtigen Mobilitätszentrum sprechen kann. Auch die Anbindung an das Fahrradwegenetz ist vorbildlich. Auch der Fahrradverleih, eine Bar und andere Firmen haben im Bahnhof Räumlichkeiten und sorgen dafür, dass der Bahnhof auf vielfältige Weise lebt. [Weitere Argumente lesen Sie im Interview, das Dr. Scheidle der Gemeindezeitung "Toblach Info" gegeben hat. Weiter unten zu finden.]

Der Landesrat für Mobilität, Florian Mussner überbrachte Grußworte. Auch er ging auf die bedeutsame Geschichte des Bahnhofes ein, er lobte das Engagement der Gemeinde. Der Bahnhof habe aber durchaus auch eine Zukunft, sollte die Dolomitenbahn wieder erstehen, wofür es ein Einvernehmensprotokoll mit der Region Venetien gäbe. Und er sei auch der Meinung, dass die klassische Trassenführung von und nach Toblach die erfolgsversprechende wäre. Es seien nun die Machbarkeitsstudien abzuwarten, die in Auftrag gegeben worden seine.

Anschließend begaben sich die Festgäste auf den Bahnhofsvorplatz. um zwei  Informationstafeln zur Geschichte der Pustertalerbahn und der Dolomiten zu enthüllen. Der Landtagsabgeordnete Hans Heiss hat die Texte redigiert. Es wäre schön, wenn die Texte noch durch Fotos ergänzt würden.

Beim anschließenden Rundgang durch das Areal des ehemaligen Grandhotels (Führung durch den Direktor Hansjörg Viertler) konnten wir gelungene Sanierung und die neue Nutzung sehen. Es wurde z.B. im Kulturzentrumsbereich ein neuer Konzertsaal eingebaut, in dem unter anderem die "Mahler-Musikwochen" und die "Toblacher Gespräche" stattfinden. Der Komponist Gustav Mahler hat sich ja mehrere Male nachToblach zurückgezogen, um ungestört komponieren zu können. Ziemliche Bedeutung haben auch die von Hans Glauber begründeten Toblacher Gespräche, einer rennomierten Denkwerkstatt, bei der brennende Zukunftsfragen erörtert werden. Wir waren auch kurz zu Besuch im Naturparkhaus, in der zur Zeit eine kleine Ausstellung zur Dolomitenbahn eingerichtet ist. Der Autor Evaldo Gaspari, der ein Buch zur Dolomitenbahn geschrieben hat, gab Auskünfte. Auf dem Gelände des Grandhotels ist auch eine Büste des Architekten Wilhelm von Flattich.

Zu guter Letzt wurden wir in einer der  Bahnhofsveranden mit einem Imbiss verwöhnt. Es gab Gerstsuppe und pustertaler Schmankerln, wie Tirschtlen und Graukas.

Auf der Rückfahrt zogen wir noch als Resumeé, dass bei der Vergabe der Auszeichnung eine wirklich gute Stimmung für die Bahn zu spüren war.

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