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Bericht über die 12. Fernreise der Freunde der Eisenbahn nach Kasachstan und Usbekistan.
Die heurige Fernreise brachte uns an die sagenumwobene Seidenstraße, eine der berühmtesten Handelsstraßen der Welt und in eine Weltgegend, wo tausendjährige Geschichte geschrieben wurde, - ein Drehpunkt zwischen West und Ost.
Die ersten beiden Tage verbrachte die 9-köpfige Gruppe in Astana, der neuen Hauptstadt Kasachstans. Ziel des ersten Tages war die EXPO mit dem Thema „Energie der Zukunft“. Spektakulär ist der kasachische Pavillon in Form einer mehrstöckigen Kugel, in der man auf einem Parcour unterstützt durch eine Vielfalt an multimedialen Effekten und Präsentationstechniken sich dem Thema nähern konnte. Drei Pavillons auf der Expo hat übrigens das Bozner Unternehmen Stahlbau Pichler errichtet. Jeder von uns hat neben der Kugel auch noch andere Pavillons besucht, einige z.B. auch den deutschen, der wegen seiner Gestaltung, die zum Mitmachen anregt, prämiert worden ist.
Astana ist eine sehr junge Stadt, in Mitten der Steppe auf dem Reisbrett entstanden und immer weiterwachsend. Viele berühmte Architekten entwarfen kunstvolle Bauten. Alles ist auf Superlative ausgerichtet. Geld scheint dabei keine Rolle zu spielen, denn Gas und Rohstoffe sind reichlich vorhanden. Stellvertretend für viele dieser Prunkbauten sei der Bajterek-Turm im Zentrum erwähnt. Von der Aussichtskanzel aus hat man eine tolle Rundsicht bis zum Stadtrand, wo die Steppe anfängt, und wer will, kann sich anstehen und seine Hand in den Abguss der Präsidentenhand von Nursultan Nasarbajev legen. Wird hier die Stadt der Zukunft vorweggenommen und ist das bloß Größenwahn? Dieser Aspekt wurde in der Gruppe durchaus kontrovers diskutiert.
In der Stalinzeit gab es in der Nähe ein Gulag-Frauenlager. Ein Memorial und ein Museum erinnern an das tragische Schicksal dieser Menschen, die hier ihr Leben fristen mussten.
Wir haben die beiden Bahnhöfe Astanas besucht, den alten und den neuen. Der alte stammt noch aus der Sowjetzeit, ist aber renoviert und an sich schon imposant, hat aber nur 3 Bahnsteiggleise. Dort spielt sich der meiste Verkehr ab. Der neue ist Teil des Hauptstadtprojekts, gerade fertiggeworden und ist wie alles andere ein Bau der Superlative, geplant von einem rennomierten Architekturbüro. Nur Züge und Passagiere haben wir nur wenige dort gesehen. Aber das wird sich vielleicht noch entwickeln. Auch hat diese Großstadt keine Metro, eine Stadtbahn auf der Oberfläche ist allerdings projektiert.
Die folgenden Tage verbrachten wir in Usbekistan, dem Staat südlich von Kasachstan. Gleich stellten wir markante Unterschiede zu Kasachstan fest: viele Bauten und Strukturen stammen noch aus der Zeit vor der Unabhängigkeit vor 26 Jahrn, auf den Straßen zirkulieren nur wenige Autotypen, die als Joint-Venture im Lande erzeugt werden. Auf ausländische Autos werden hohe Zölle erhoben. So kommt es, dass viele Autos auf den Straßen noch aus der Sowjetzeit stammen. Sie sind nicht umzubringen und eignen sich für den Transport von Baumaterialien u.ä.besser als die neuen.
In Zeiten der Sowjetunion spielten die Grenzen zwischen den Unionsländern kaum eine Rolle – und Eisenbahnen sowie Straßen nahmen darauf keine Rücksicht. Nach dem Zerfall aber begannen sich die neuen Staaten aber gegeneinander abzuschotten. Um nicht durch ausländisches Territorium zu fahren, haben die Usbekischen Bahnen bis zu 500 km neue Strecken gebaut. Zwischen den drei größten – auch touristisch sehr interessanten – Städten Taschkent, Samarkand und Buchara fährt auf elektrifizierter Strecke der Afrosiab, ein neuer Qualitätszug der spanischen Firma Talgo. Auf bestimmten Streckenabschnitten ist er so schnell wie ein Railjet, nämlich 230 kmh (laut Anzeige im Waggon), in Zentralasien wohl ein einmaliges Tempo! Die Bahnhöfe, die wir besuchten, waren alles Großbauten aus der Sowjetzeit mit Türmen, großen Hallen, hohen Säulen und viel Marmor, allerdings neu restauriert und sehr sauber. Passagiere kommen nur, wenn die wenigen Züge halten. Früher gab es viel mehr Verbindungen, darunter zumindest im Sommer vier tägliche Züge nach Moskau, wenn ich mir das in einem alten Fahrplan von 1987 anschaue (heute nur einer und der 2x die Woche). Viele Reisende bevorzugen jetzt eben das schnellere Flugzeug. Andererseits wird auf vielen Plakaten und in vielen Präsentationen für die neuen, schnellen Zügen geworben. Und auf den Inlandsstrecken erobert ein komfortabler, schenller Zug mit gutem Service offensichtlich wieder Terrain zurück.
Die erste Zugfahrt mit dem Afrosiab bringt uns nach Samarkand. Unter der Herrschaft Timurs im Mittelalter galt die Stadt als eine der schönsten der Welt. Unser Rundgang führte uns zum Registan, dem wohl berühmtesten Platz des Orients, umrahmt von Gebäuden wie Moscheen und Koranschulen, ausgestattet mit kostbaren blauen und grünen Fayancen. Ein weiterer Höhepunkt sind das palastähnliche Mausoleum des Mongolenfürsten Timur. In Samarkand besuchten wir auch das Grabmahl des Hl. Daniel, Prophet der drei großen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Also ein Wallfahrtsort für Angehörige mehrerer Konfessionen. Interessanterweise war bei den Besichtigungen in Samarkand auch eine Weinkost im Programm. Schon im 19. Jhd. Hat ein russischer Adeliger diverse Weinsorten angesiedelt und Weine und Liköre erzeugt.
Nun folgte wieder eine Zugfahrt, diesmal von Samarkand nach Buchara. Nun nahmen wir eine Art Regionalexpress. Er bestand aus renovierten alten russischen Langstreckenwaggons. Er trägt den Namen "Sharp". Der Zug war bis auf den letzten Platz besetzt, ein Zeichen, dass ein gutes Zugangebot durchaus geschätzt wird.
Buchara is eine der sieben heiligen Stätten des Islam und liegt in einer Oase mitten in der Wüste. Sie war seit jeher ein wichtiger Handelsplatz. Eineinhalb Tage gaben wir uns den Sehenswürdigkeiten dieses orientalischen Schmuckkästchens hin. Der Abschluss bildete ein Essen bei einer einheimischen Familie.
Wiederum mit dem Afroisyab-Hochgeschwindigkeitszug fuhren wir in 4 Stunden wieder zurück nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans. Sie blickt auf über 2000 Jahre Geschichte zurück. Nach dem verheerenden Erdbeben von 1966 wurde sie von Bauarbeitern aus der ganzen Sowjetunion in Rekordzeit wiederaufgebaut. An neueren Gebäuden sind Repräsentationsbauten und Banken dazugekommen. Wir fuhren einige Stationen mit der Metro, die nach dem Vorbild der Moskauer Metro reichlich mit Kunst und Marmor ausgestattet. Jede Station hat eine eigene Gestaltung. Manche sind mit orientalischen Motiven ausgestattet und erinnern an Paläste aus 1001 Nacht.
Etwas enttäuschend war das Eisenbahnmuseum von Taschkent, ein Freigelände nähe Bahnhof. Zwar gibt es dort eine Vielfalt an historischen Fahrzeugen, darunter gigantische Dampflokomiten. Zu sehen ist auch eine deutsche Dampflokomotiv den 1940er Jahren, die als Kriegsbeute ihren Weg bis nach Zentralasien gefunden hat. Interessanterweise hat es offensichtlich auch auf den Schienen der ehemaligen Sowjetunion doppelstöckige Aussichtswagen gegeben, denn ein solcher war ausgestellt. Bislang dachte ich, diese seinen nur in den USA und in Kanada im Einsatz gewesen. In konservatorischer und didaktischer Hinsicht wäre noch Vieles zu verbessern. Gläser z.B. wurden lediglich durch bemalte Bleche ersetzt. Die Führerin meinte, dass man eigentlich nur mit Kindern hierhergehe.
Taschkent hat bis vor kurzem ein dichtes Straßenbahnnetz, sogar mit neueren Niederflurtrambahnen. Es wurde aber 2016 beschlossen, ratzeputz das ganze Netz mit über 90 km stillzulegen. Alle Gleise wurden entfernt und nun fahren Mercedes-Busse. In Samarkand allerdings ist man dabei die Straßenbahn wieder einzuführen. Bald soll die gesamte Line vom Bahnhof bis zum Basar befahren werden.
In Kasachstan wurde die Gruppe von Sergej, einem jungen russischstämmigen Reiseleiter begleitet. Er nützte geschickt das smartphone, um präzise Antworten auf unsere Fragen zu geben. In Usbekistan war Mira, eine Dame unsere Reiseleiterin. Sie hat in an der Pädagogischen Hochschule in Taschkent gutes Deutsch gelernt. Ihre Meinung nach war früher vieles besser und die nationalistische Ausrichtung der Staaten in der Region würden die Bewegungsfreiheit der Menschen stark behindern, so habe der Nachbarstaat Turkmenistan für Usebeken gar die Visumspflicht eingeführt. Auch seinen nun viele Familien zerrissen, da nun viele Usbeken als Gastarbeiter in anderen Ländern, wie z.B. Kasachstan oder Korea arbeiten.
Und so können Sie nachempfinden, dass wir alle mit vielen interessanten neuen Eindrücken zurückgekommen sind, sowohl was Kultur und Geschichte, als auch was die Eisenbahn betrifft. Übrigens: diese Reise gibt es in keinem Katalog, sie wurde extra für uns so zusammengestellt. Das Grundkonzept stammt von unserem Präsidenten Walter Weiss, die Feinplanung hat Julian Festini vom Reisebüro Primus im Bozen übernommen. Das Programm wurde in allen Punkte, so wie geplant, durchgeführt.




