Bericht über die Jahresversammlung am 17. Jänner 2019

Präsident Walter Weiss leitet die Sitzung. Links daneben Noch-Mobilitätslandesrat Mussner, Vorstandsmitglied Arthur Scheidle und der Direktor der STA (Südtiroler Transportstrukturen AG), Joachim Dejaco.
23.01.2019

Die 18. Vollversammlung der Mitglieder des Vereins "Freunde der Eisenbahn" fand wie üblch im Schul- und Vereinshaus von Staben statt. Es sind über 100 Mitglieder erschienen. Dr. Weiss konnte zahlreiche Bürgermeister und Ehrengäste begrüßen, so auch Herrn David Kehrer vom Verein Gailtalbahn, den schweizer Verkehrsexperten Paul Stopper und andere.

Da Neuwahlen anstanden, umfasste der Tätigkeitsbericht die gesamten 3 Jahre. Sie finden die Details dazu in den Präsentationen in der Anlage.

Kassier Luis Vent stellte die Jahresabrechung vor und erklärte die einzelnen Posten. Der Rechnungsprüfer empfahl die Entlastung und so wurde der Bericht einstimmig genehmigt.

Es folgten die anstehenden Wahlen. Der scheidende Landesrat Richard Theiner war Wahlleiter. Alle Vorstandsmitlgieder haben wieder kandidiert.  Alle Kandidaten wurden mit hohem Stimmenanteil für die nächsten 3 Jahre weiter bestätigt.

Für den scheidenden Landesrat für Mobilität  Florian Mussner war es eine der letzten Auftritte in dieser Funktion.

Als Dank für seine Verdienste, speziell im Hinblick auf die Elektrifizierung der Vinschgaubahn erhielt er vom Präsidenten Walter Weiss die höchste Ehrung überreicht, die der Verein vergeben kann: die Vereinsmütze mit 3 Graden in Gold!

Florian Mussner bedanke sich bei allen, vor allem auch bei Walter Weiss, der ein Pionier bei der Reaktivierung der Eisenbahn in Südtirol ist und dessen Hartnäckigkeit viel bewirkt habe. Auch bei Paul Stopper bedankte er sich, der erst vor kurzem einen beeindruckenden Vortrag zu den Möglichkeiten eines Zusammenwachsens der schweizer und südtiroler Bahnen gehalten.
Er verwies auf die Ideale, die hinter all den Maßnahmen bei der Entwicklung des Öffentlichen Verkehrs stünden: den Menschen eine höhere Lebensqualität zu bieten, indem die Emissionen und die Lärmbelastung reduziert werden, dabei aber die Möglichkeiten an Mobilität noch auszuweiten. Gerade das leiste der Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, den er verstärkt in Gang bringen konnte. In den letzten Jahren sei es regelrecht zu einer Trendwende gekommen und die Eisenbahn erlebe eine starke Aufwertung. Viele Investitionen würden getätigt, so die Elektrifizierung der Vinschgaubahn, der Bau der Riggertalschleife, die Aufwertung der Strecke Meran-Bozen, die Beseitung des Engpasses bei der Einfahrt der Züge in den Bahnhof Bozen usw. Dem anwesenden Herrn Dr. Stefanelli vom Komitee Überetscherbahn machte er Hoffnung, dass die Überetscherbahn sicher kommen werde, die Gemeinde müssten zunächst einmal die Trasse in den Bauleitplan eintragen.
Das größte Bauvorhaben sei natürlich der BBT (Brennerbasistunnel), der bei einer Inbetriebnahme in 7 bis 8 Jahren eine Revolution im Bahnverkehr auslösen werde. Die beteiligten Länder hätten sich bisher an alle Abmachungen gehalten, auch Bayern lenke ein.
Zum Abschluss sagte Florian Mussner, dass die 17 Jahre in der Politik Freude gemacht, und er würde, erneut vor die Wahl gestellt, wieder diesen Weg wählen. "Ich danke für die Mithilfe, ich vergesse Euch nicht!"

Es folgte ein Kurzreferat von Dr.-Ing. Joachim Dejaco zum Thema "Anstehende Arbeiten bei der Elektrifizierung" (Präsentation siehe Anlage).

Es gehe darum, langfristig 2/3 der Bahnübergänge an der Vinschgaubahn aufzulassen und durch Unterführungen zu ersetzen, das sei z.B. bei Algund geschehen. Die Bahnsteige einiger Bahnhöfe sind bereits verlängert worden, andere wie Algund und Plaus sind derzeit in Bau. Der Bahnhof Schnalsthal wird wieder Personenbahnhof, Anpassungen, vor allem bei der Unterführung sind gerade im Gange. Die Remise in Mals muss um 60 Meter verlängert werden, damit die neuen, längeren Züge darin Platz haben. Der Streckenausbau bei Laas wird heuer nachgeholt, so kann dann bis zu 100 km/h gefahren werden, um einen stabilen Fahrplan zu gewährleisten. Es folgt das Aufstellen der Masten, der Bau der elektrischen Versorgungsanlagen (Unterwerke) und das Einrichten des neuen Signalsystems werden in Angriff genommen. "Irgendwann werden wir mit Strom fahren", so schloss Dejaco, der sich auch bei Mussner für dessen Unterstützung bedankte.

Vorstandsmitglied Arthur Scheidle ist Vorsitzender der Jury des Wettbewerbes "Bahnhof des Jahres". Bahnhof des Jahres 2019 wird Franzensfeste!

Franzensfeste ist der letzte Bahnknotenpunkt und Umsteigebahnhof, von denen es früher mehrere gegeben hat. Es handelt sich um einen historischen Bahnhof aus aus dem Jahre 1869, entworfen vom Architekten Wilhelm von Flattich. Die Verkleidung mit Holzschindeln gibt dem Gebäude ein besonderes Aussehen und ist einmalig auf der Brennerlinie, seit 2004 ist das Gebäude auch denkmalgeschützt. Es wurde vorbildlich renoviert, auch der Fahrgastraum ist funktional und gefällig geworden, wenn es auch keinen Schalterdienst und nur mehr Automaten gibt. Die Sanierung sei durch eine Querfinanzierung durch den BBT möglich gewesen. Der beauftragte Architekt Dr. Gerhard Mahlknecht aus Bruneck habe dabei gute Arbeit geleistet.
RFI hingegen habe die Bahnsteige erhöht, um einen niveaugleichen Einstieg in die Züge zu ermöglichen, den Mittelbahnsteig überdacht und Lifte eingebaut. Im Süden des Bahngeländes befindet sich eine historische Drehscheibe, die auf Betreiben des "Kuratoriums für technische Kulturgüter" von der Nordseite dorthin für eine zukünftige Verwendung verlegt worden ist. Den Bahnhof Franzensfeste müsse man - so Scheidle - auch im Zusammenhang mit dem Ort und der Franzensfeste sehen. Der Bahnhofsvorplatz sei von der Gemeinde ansprechend gestaltet worden und in Zukunft werde der Bahnhof Franzensfeste sicher wieder eine größere Rolle spielen, sei es als Zubringer zur Franzensfeste oder als Haltepunkt für die Züge aus dem BBT, die in Franzensfeste von Norden kommend zum erstenmal wieder ans Tageslicht kommen.

Der Vizebürgermeister von Franzensfeste e Richard Amort bedankte sich für die Auszeichnung "Franzensfeste - Bahnhof des Jahres 2019". Er sprach davon, dass man sich bemühe, dass der Bahnhof wieder eine Bar und/oder einen Zeitungsstand bekomme und so wieder Leben einkehre. Entsprechende Verhandlungen mit RFI liefen bereits.

Die Feier dazu findet am 18. Mai ab 10 Uhr am Bahnhof Franzensfeste statt.

In der anschließenden Diskussion wurde gefragt, ob die Schließungszeiten der Bahnlinie im Zuge der Elektrifizierung nicht früher bekannt gegeben werden könnten. Ing. Dejaco entgegnete, Bekanntmachungen haben nur dann einen Sinn, wenn die Interventionen fix beauftragt sind und die Termine stehen, ansonsten kursierten bei Verschiebungen die unterschiedlichsten  Informationen, die nur verwirren.

Ein Teilnehmer der Weltreisen des Vereins bedankte sich bei Präsident Walter Weiss für die Planung und Durchführung der Reisen, die allesamt gelungen waren und viele Erlebnisse boten. Präsident Weiss führt diese Tätigkeit nämlich nicht mehr weiter. Er bedankte sich auch bei Ingrid Vent, die jahrelang als Reiseleiterin fungiert hat. Ein Dank auch an Julian Festini von Primus-Reisen, der für die optimale Umsetzung der letzten beiden Reisen gesorgt hat.

Positiv kommentiert wurde auch, dass der Bahnhof Latsch, der jahrelang vernachlässigt worden und dementsprechend heruntergekommen war, nun generalsaniert wurde, geminsam mit dem renovierten Wasserturm ein sehr schönes Bild abgibt und der Forstbehörde als Sitz dient.

Die Gemeindereferentin Astrid Pichler überbrachte Grußworte des Bürgermeisters von Naturns.

Dann ging es zum gemütlichen Teil. Das Buffet wurde eröffnet und man unterhielt sich noch längere Zeit über die brennenden Bahnthemen.

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