Brixen - Bahnhof des Jahres 2022: die Feier

Übergabe des Schildes "Bahnhof des Jahres 2022": Daniel Alfreider (Mobilitätslandesrat), Joachim Dejaco (Direktor STA), Siegfried Tutzer (Jurymitglied), Peter Brunner (Bürgermeister Brixen), Walter Weiss (Präsident Freunde der Eisenbahn) und Arno Kompatscher (Landeshauptmann). Foto: Herbert Kaserer
30.05.2022

Südtirol hat wieder einen Schritt in Richtung nachhaltige Mobilität gesetzt. In Brixen wurde das neue Mobilitätszentrum am Bahnhof eingeweiht. Gleichzeitig vergab unser Verein dem Bahnhof das Prädikat "Bahnhof des Jahres 2022". Der Bahnhofsvorplatz ist neu gestaltet, die Bushaltestellen sind näher an den Bahnhof gerückt und weitläufig überdacht - und es gibt nun sage und schreibe 1.000 Fahrradabstellplätze, ebenfalls überdacht und teilweise unterirdisch. Auch sog. KISS&RIDE-Parkplätze für Pendler sind auf dem Gelände der ehemaligen Güterbahn entstanden und der Ex-Güterschuppen wurde saniert. Abschließbare Boxen und Echtzeit-Informationssysteme sollen bald kommen. Das Mobilitätszentrum Brixen hat 10 Millionen € gekostet und wurde über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert.

Es hat sich viel Prominenz eingefunden. Neben dem Bürgermeister Peter Brunner und vielen lokalen Persönlichkeiten auch Landeshauptmann Arno Kompatscher, Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, Landesrat Massimo Bessone und der Direktor der STA, Joachim Dejaco. Von Seiten unseres Vereins nahmen teil: Präsident Walter Weiss und Vorstandsmitglied Siegfried Tutzer, der den verhinderten Arthur Scheidle, seines Zeichens Vorsitzender der Jury "Bahnhof des Jahres", vertrat.

Der Bürgermeister Peter Brunner war sichtlich erfreut, mit dieser "funktionalen, intermodalen Mobilitätszentrale ein neues Kapitel in Sache Mobilität in Brixen" aufschlagen zu können, es sei dies eine "neue Visitenkarte von Brixen für alle Pendler und Gäste, ein attraktiver Ort der Begegnung und des Austausches, des Ankommens und Abfahrens, schlichtweg ein Ort des Willkommens. Das Umsteigen von den einzelnen Verkehrssystemen werde einfacher: Ganz nach dem Prinzip der intermodalen Mobilität greifen nun am Bahnhof Brixen mehrere Verkehrssyteme ineinander: Eisenbahn, Fahrräder, Busse, Taxi, Motorräder, Fußgänger, Autos, Elektroautos und Carsharing. Sein Appell an die Festgäste: "Lasst uns die Mobilität NEU denken!". Der Bürgermeister bedauerte allerdings, dass die Sanierung des denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäudes, welches RFI gehöre,  noch ausständig sei, . Es wäre wünschenswert, dass es bald ans Land übergehe, um die Sanierung voranzutreiben zu können.

Landeshauptmann Arno Kompatscher hob hervor, dass Südtirol bis 2050 klimaneutral werden wolle und gab zu Bedenken, dass 55% der Emissionen im Lande durch den Verkehr erzeugt würden. Er ließ aufhorchen mit der Bemerkung, dass Südtirol europaweit das Land mit den meisten zugelassen Zweitwagen sei. Um eine echte Verkehrswende zu erreichen, brauche es also ein Umdenken aller. Er führte die Mobilitäts-Projekte an, die derzeit bereits liefen: Elektrifizierung Vinschgerbahn, Ausbau Meran-Bozen, Virgl-Tunnel für direkte Anbindung der Meraner Linie und für Brixen von besonderer Bedeutung: der Brennerbasistunnel und die Riggertalschleife. Das Brixner Mobiliätszenturm sei ein weiterer Mosaikstein auf dem Weg zu mehr nachhaltiger Mobiliät

Landesrat Daniel Alfreider legte ebenfalls nahe, sich vom Alltagsgebrauch des Autos zu verabschieden. "Die erste Frage am Morgen soll nicht heißen: Wo ist mein Autoschlüssel? sondern wo ist die Mobilcard für die Öffis." Der Verkehr auf der Straße müsse weniger werden. Insofern sei dieses intermodale Mobilitätszentrum, das den Menschen den Wechsel von einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel auf ein anderes erleichtere, ein weiterer Meilenstein in Richtung emissionsarmer Mobilität. Brixen bilde diesbezüglich eine Avantgarde, so Alfreider.

Präsident Walter Weiss verwies darauf, dass die Auszeichnung "Bahnhof des Jahres" hiermit bereits zum 10. Male vergeben wird. Er verwies auch auf die steigende Mitgliederanzahl des Vereins und sorgte mit ein paar Bonmots für Heiterkeit.

Joachim Dejaco, Direktor der STA, dankte allen beteiligten Planern und Akteuren und den einheimischen Firmen und Handwerkern, die vorzügliche Arbeit geleistet hätten. Empfindliche Verzögerungen, wie bei der Elektrifizierung der Vinschgaubahn seien nicht aufgetreten. Dort ist nämlich der Ausbau ins Stocken geraten, nachdem die beuftragte auswärtige Firma juristische Probleme bekommen hat.

Und nun zur Verleihung der Auszeichnung "Bahnhof des Jahres" durch unseren Verein. Vorgetragen wurde die Begründung von Vorstandsmitglied Siegfried Tutzer, da der Vorsitzende der Jury, Arthur Scheidle verhindert war. Weiter unten finden Sie den link zum Interview, das er dem Sender RAI-Südtirol gegeben hat. Nun die Begründung im vollen Wortlaut:

Es ist das zehnte Mal, dass die vom Verein „Freunde der Eisenbahn“ eingesetzte Jury den „Bahnhof des Jahres" ermittelt. Diese Initiative wurde 2012 ins Leben gerufen um in Richtung Wichtigkeit zeitgemäßer Bahnhofstrukturen zu sensibilisieren und entsprechende Maßnahmen anzuregen. Und diesmal trifft es Brixen auf Grund einer gelungenen Gestaltung im Außenbereich des historischen Bahnhofgebäudes.
Die Entscheidung geht das erste Mal in Richtung eines größeren Bahnhofes des Landes.

Nach Durchführung massiver Investitionen und einer radikalen Umstrukturierung des Bahnhofplatzes und der umliegenden Straßen und Plätze kann man feststellen, dass zweifelsohne eine fußgängerfreundlichere, übersichtlichere neue Situation geschaffen wurde, ein Qualitätssprung, eine Aufwertung des Mobilitätszentrums Bahnhof Brixen. Im Detail:

  • Zum einen der direkte Vorplatz durch neue Pflasterung, Beleuchtung und Begrünung an Stelle der früheren Situation, bei der die Straße unmittelbar vor der Ticketausgabe vorbei ging
  • Dann der neue Vorplatz vor dem Bahnhofhotel Jarolim; auch hier ging die Straße unmittelbar vor den Hoteleingang vorbei
  • Weiters die neuen Bushaltestellen Nord und Süd
  • Die vielen Fahrradständer, Motorradstellplätze und PKW Parkplätze (185)
  • Die Lärmschutzwände
  • Die Sanierung des Lagerhaus
    ... um nur die wichtigsten zu nennen.

Durch diese Investitionen wird der öffentliche Verkehr ab und nach Brixen attraktiver gemacht und wird seitens der öffentlichen Hand ein weiterer Beitrag für eine nachhaltige Umwelt geleistet.

 Wir – als Freunde der Eisenbahn – wünschen uns, dass auch im Innenbereich des Bahnhofgebäudes Brixen Maßnahmen folgen werden. Wartesaal, Tickethalle, Bar usw. entsprechen nicht zeitgemäßen Kriterien für Bahnhöfe. Man braucht sich nur in der Schweiz und Österreich herum schauen um festzustellen, wie man alte Strukturen vitalisieren kann. Auch bei uns gibt es Beispiele hierzu.

Des weiteren wünschen wir uns, dass diese verbesserte Infrastruktur neue Nutzer des öffentlichen Verkehrs anzieht. Die heutige Nutzersituation – ist unser Eindruck – ist nicht ein Spiegelbild der Gesellschaft, sondern es dominieren Pendler, Jugendliche, Senioren, Frauen. Wenn wir das Thema Umwelt in den Griff bekommen wollen, dann ist das nicht nur eine Aufgabe der Politik, sondern von uns allen. Dies scheint mir ist in den Köpfen der Menschen noch nicht voll verankert. Ich habe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gar einige, die keine Mobilitätskarte besitzen und auch nicht die Absicht haben eine zu besorgen und erlaube mir diese Feststellung..

Unabhängig von diesen Überlegungen ist das was hier auf die Beine gebracht wurde Grund zu Freude, zu Dank für jene – im Besonderen Land, STA, Gemeinde -die sich für dieses Projekt eingesetzt haben. Dem in den nächsten Jahren ja weitere folgen werden.

Wir gratulieren der Stadtgemeinde Brixen in der Person des Bürgermeisters Peter Brunner  und überreichen ihm die Plakette „Bahnhof des Jahres 2022“.

Dekan Florian Kerschbaumer segnete das neue Mobilitätszentrum. Die Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg umrahmte die Feier musikalisch. Anschließend gab es vor dem Hotel Jarolim einen Umtrunk und einen Imbiss. An den vielen Tischen wurde noch lange diskutiert.

Interview mit Arthur Scheidle im RAI-Südtirol Morgentelefon

-A A +A