Eine Erkundungsfahrt in Piemont und Aosta

Präsident Walter Weiss am Bahnhof Breil der Tendabahn
24.11.2013

Es ist nun schon eine gewisse Tradition, wenn im Spätherbst sich der Präsident des Vereins, Walter Weiss und Herbert Kaserer, der Web-Master auf eine Bahn-Erkundungstour aufmachen. War es letztes Jahr Friaul und Slowenien mit der Wocheinerbahn, so waren heuer das Aostatal, Turin und die legendäre Tenda-Bahn nach Nizza das Ziel einer viertägigen Bahnfahrt.

Wir fuhren also zunächst nach Pre Saint Didier ganz am Ende des Aostatales. Interessant ist dabei auch die besondere Bahnhofsarchitekur mit hölzernen Vorbauten auf Säulen.

Wir machten anschließend eine eintägige Rundfahrt über die Tendabahn von Turin nach Nizza, dann die Cote d'Azur und Riviera entlang bis Savona und dann retour nach Turin. Die Tendabahn hat eine wechselhafte Geschichte, mit Streckenverlauf sowohl in Frankreich als auch Italien, mit waghalsigen Brücken und Viadukten und vielen Kehrtunnels In Breil-sur-Roya teilt sich die Strecke, ein Ast führt nach Ventimiglia, einer nach Nizza. Leider ist sie von teilweiser Einstellung bedroht. Ein Kommitee in Cuneo wehrt sich sehr dagegen und hat eine Reihe von Initiativen zur Rettung gestartet. Die französische Bahn bemüht sich um die Aktivierung ihrer Streckenteile, so gibt es neue und restaurierte Bahnhöfe und es fahren moderne Triebwagen unter dem Namen "train des merveilles" (Zug der Wunder).

In Turin sind wir mit der Zahnradbahn nach Superga hinaufgefahren. 18 Minuten dauert die Fahrt. In der dortigen Kirche sind Königsgräber der Savoyer und man genießt eine schöne Aussicht auf die Stadt (wenn nicht gerade Nebel ist). Turin hat zwei große Bahnhöfe (und noch einen Lokalbahnhof), nämlich Porta Nuova und Porta Susa. Letzterer ist ein beeindruckender Neubau, vor nicht langer Zeit eröffnet - und wird in Zukunft zur Drehscheibe des Hochgeschwindigkeitsverkehrs Frankreich - Italien. Porta Nuova, der altehrwürdige Kopfbahnhof mit Warteraum für den König, wird gerade renoviert. Viele Geschäfte haben darin bereits Platz gefunden. Turin hat die Bahnzulaufstrecken zur Innenstadt weitgehend unter die Erde verbannt ("Transversale") und so Areale für die Stadtentwicklung, z.B. für Grünflächen gewonnen. Turin hat auch noch ein beachtliches Straßenbahnnetz, für Touristen interessant ist die Linie 7, auf der man in einer sorgfältig restaurierten Straßenbahn eine Runde durch das historische Stadtzentrum machen kann. Auch kann man während einer Tramfahrt ein Abendessen genießen.

Wir schafften auch noch einen Besuch im Piemontesischen Bahnmuseum in Savigliano, südlich von Turin. Dort sind in einem ehemaligen Lokdepot verschiedene Lokomotiven und Waggons ausgestellt, unter anderem auch eine betriebsfähige Littorina aus den 30er Jahren. Darüberhinaus gibt es noch viel Foto- und anderes Material, sowiel Modelle. Interessant auch die Drehstromlokomotiven, die auch auf der Brenner- und Meraner-Strecke im Einsatz waren. Viele Fahrzeuge sind aber in einem schlechten Zustand und es bräuchte Geld, um sie zu renovieren.

Über Nebenbahnen der Poebene ging es dann zurück nach Südtirol. Es blieb sogar noch Zeit, in Asti das Elternhaus von Papst Franziskus aufzusuchen. Sein Vater war übrigens Eisenbahner. Wir haben wieder einige interessante Ideen mitgebracht - und werden sie in die Diskussion hier in Südtirol gerne einbringen.

 

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