Feier "15 Jahre neue Vinschgaubahn" in Latsch

Ein Gruppenfoto von der Feier "15 Jahre neue Vinschgaubahn" am vorbildlich restaurierten Bahnhof Latsch. (Foto: Herbert Kaserer)
06.09.2020

Bei strahlendem Sonnenschein fand am am 5.9.2020 am Bahnhof Latsch eine Feier zur 15-jährigen Erfolgsgeschichte der Vinschgaubahn statt; coronabedingt in einem kleinen Rahmen und zeitverschoben, denn die neue Vinschgaubahn ging bereits am 5. Mai 2005 in Betrieb.

Durch die Veranstaltung führte Ex-Landesrat Richard Theiner. Der Bürgermeister von Latsch, Helmut Fischer und Walter Weiss, Präsident des Vereins, hielten ebenfalls kurze Ansprachen. Zugegen waren auch der Bürgermeister von Schluderns, Peter Trafojer und der Datenexperte Ing. Bernd Geppert aus Lüdenscheid (der am weitesten Anngereiste), Mitglieder des Vereins und Bürger von Latsch.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Jugendmusikgruppe "Klagihabazi", die sehr erfolgreich unterwegs ist und bereits Auftritte im in- und ausländischen Fernsehen hatte.

Der Bürgermeister von Latsch, Helmut Fischer konnte stolz auf die gelungene Restaurierung des historischen Bahnhofes und von der Umgestaltung und Aufwertung des Bahnhofsplatzes hinweisen. Es habe zwar etwas länger gedauert, aber das Ergebnis könne sich sehen lassen. Auch die Nutzung des Bahnhofsgebäudes durch die Forstverwaltung sei stimmig, denn genauso wie beim Bahnverkehr gehe es bei der Pflege der Waldbestände um Nachhaltigkeit.

Der Bahnhof Latsch habe sich zu einem regelrechten Mobilitäts- und Begegnungszentrum entwickelt, es gebe die Bar am Bahnsteig und einen Radverleih, weiters einen großen Pendlerparkplatz, der noch im östlichen Bereich um weitere Stellplätze erweitert werden wird.

Nicht nur das Bahnhofsgebäude sei denkmalgeschützt und präsentiere sich nun in der ursprünglichen Form, auch die beiden großen Bäume, die im Sommer viel Schatten spenden, seien schützenswert und tragen dazu bei, dass der Ort ein gefälliges Ensemble bilde.

Mit der Elektrifizierung würden noch mehr Züge halten und neue Verbindungen "zum Rest der Welt" geschaffen, so dass die Bedeutung für die Bevölkerung noch einmal größer werde - und dieses Fest heute werde wohl nicht das einzige Bahnhofsfest in Latsch bleiben.

Bürgermeister Fischer erinnerte weiters an die Jahre, als die Vinschgaubahn eingestellt war. Es seien hie und da im Tale noch Aufschriften der damaligen Befürworter einer Reaktivierung der Bahn zu lesen, der Slogan für die Landtagswahlen damals lautete "Kein Zug = keine Stimmen!".

Und einer der unerschütterlichen Pioniere damals sei damals Walter Weiss gewesen ...

... Walter Weiss spannte in seiner Ansprache einen breiten Bilderbogen auf, der seine vielfältige Beziehung zur Vinschger Bahn illustrierte.

So berichtete er von heimlichen Mitfahrten als Bub im Postwaggon und dem anschließenden Austrixen der Bahnpolizei, er erinnerte auch daran, dass die "littorina", der Dieseltriebwagen in Latsch immer einen außergewöhnlich langen Aufenthalt hatte. Der Grund war das einzige Bahnhofsbuffet an der Strecke, das Lok- und Zugführer (und auch Fahrgäste) gerne aufsuchten. Dadurch verursachte Verspätungen seien in Kauf genommen worden. Eine besondere Beziehung zu Latsch habe er auch, weil er hier viele Jahre als Direktor der Mittelschule gewirkt habe.

Nun, vor 20 Jahren wurde der Verein Freunde der Eisenbahn gegründet, mit dem Hauptziel, für die Wiederinbetriebnahme der Vinschgaubahn zu werben. Ursprünglich waren 13 von 16 Bürgermeister der Gemeinden an der Strecke dagegen, aber  durch unermüdliche Überzeugungsarbeit sei es schließlich gelungen, einen nach dem anderen für die großartige Idee zu gewinnen. Ein wichtiger Meilenstein sei das Gewinnen des damaligen Landeshauptmannes Luis Durnwalter gewesn - und von Anfang an ein eifriger Mitstreiter war auch Richard Theinerr. Es folgten im Laufe der Jahre unzählige Initiativen, wie Besprechungen mit Fachleuten des Denkmalschutzes (für die Restaurierung der Bahnhofsgebäude) und eine Reihe von Besichtigungen, z.B. des Josefbergtunnels usw.

Die Entwicklung der Vinschgaubahn ist aber nicht stehen geblieben: heuer wurde der neu gestaltete Bahnhof Staben eröffnet, der habe auch eine historische Komponente als Bahnhof "Schnalsthal", an dem unter anderem der Salonzug Kaiser Ferdinands Station machte - und heute verschafft er Kindern und deren Familien Erlebnisse in Form von Mitfahrten auf der dampfbetriebenen Gartenbahn oder durch Fahrten auf der Draisine mit eigener Muskelkraft.

Schleßlich verwies Walter Weiss auf die derzeitige in Gang befindliche weitere Aufwertung der Vinschgaubahn, die zur Zeit elektrifiziert wird, was ab 2022 einen Halbstundentakt und durchgehende Züge nach Innsbruck und Lienz ermögliche. Nächstes Jahr würden die Arbeiten mit dem Setzen der 1.500 Strommasten fortgesetzt.

Richard Theiner dankte Walter Weiss für seinen großartigen Einsatz und richtete den Blick auf die weitere Zukunft der Vinschgerbahn. Nach dem Abschluss der Elektrifizierungsarbeiten gäbe es noch weiter zu kämpfen! Zum einen müsse die Infrastruktur weiter ausgebaut werden, damit wieder Schnellzüge eingesetzt werden können, die leider mit dem Halbstundentakt verschwinden. Und dann sei die Weiterführung zunächst in die Schweiz und nach Landeck oder auch nach Bormio (Richtung Mailand) anzustreben. So würde dann das Vinschgau in alle Richtungen mit den angrenzenden Alpenländern angebunden sein.
Sehr bald solle man sich auf eine Trassenführung ins Engadin einigen und die Trasse in die Bauleitpläne eintragen und so sichern. Richard Theiner plädierte an alle Bürgermeister und Bürger des Vinschgaus, sich dahinterstellen und entsprechenden politischen Druck aufzubauen. Das sei auch deshalb wichtig, weil andere Bezirke in Südtirol ebenfalls verstärt auf nachhaltige Mobilität setzen und ihre Projekte einbringen.

Auf Einladung der Gemeinde Latsch gab es anschließend einen Umtrunk am Bahnsteig, wobei die angesprochenen Themen noch im persönlichen Austausch vertieft werden konnten, weiterhin untermalt durch die lieblichen Klänge der Musikgruppe "Klagihabazi".

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