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Feierlichkeiten anlässlich des 10-Jahres-Jubiläum Neue Vinschgaubahn (2. Juni 2015)
Die Besucher des Festes am Bahnhof Schlanders kamen mit Zügen an, in denen bereits musikalisch eingestimmt wurde. Der "Vinschger Chor" (Leitung Gernot Niederfriniger), der mit dem Zug aus Mals eintraf, umrahmte das Fest mit mehreren Gesängen. Die Oranisation der Feier lag in den Händen des Naturnser Bürgermeisters Heidegger (im Auftrag des Vereins Freunde der Eisenbahn), des Modelleisenbahnclubs Schlanders und der Marktgemeinde Schlanders.
Die "Bahnsteigaufsicht" oblag einem Bahnhofsvorstand in historischer russischer Bahnuniform, ausgerüstet mit einer lauten Signalpfeife.
Bürgermeister Dr. Dieter Pinggera begrüßte die zahlreich Erschienenen und führte schwungvoll durch die nachmittägliche Veranstaltung.
Als erster ergriff der Präsident der Vereins der Eisenbahn, Dr. Walter Weiss, das Wort und erinnerte an die Zeiten, als nur wenige eine Wiederinbetriebnahme der Bahn alserstrebenswert hielten: gerade einmal drei Bürgermeister im Tale seien dafür gewesen. Es kursierten Ideen, wie die Umwidmung der Bahntrasse in eine Busspur oder in einen Radweg. Es musste sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Auf vielen Ebenen waren beherzte Menschen am Werke, auch der Verein der Freunde der Eisenbahn wurde damals gegründet, um die Menschen für dieses Vorhaben zu sensibilisieren. Auf einen Punkt habe das damals der Slogan "Wir brauchen einen staufreien Korridor von Mals bis Bozen" gebracht. Heute könne sich niemand mehr den Vinschgau ohne Bahn vorstellen, und das Modell wurde auch im Pustertal erfolgreich übernommen. Die Vinschgaubahn sei aber an die Kapaziätsgrenzen angelangt und soll in den nächsten Jahren durch Elektrifizierung und technische Aufrüstung eine weitere Aufwertung erfolgen.
Der für Mobilität zuständige Landesrat Dr. Florian Mussner erwähnte in seinen Grußworten auch das schreckliche Unglück von 2012, dem 9 Menschen zu Opfer gefallen sind. Er verwies auch auf die vielen vorbildlich restaurierten Bahnhöfe. Man werde versuchen, verstärkt auch in anderen Landesteilen die Bahnhöfe zu verschönern und kundengerechter zu gestalten. Er bringe gute Nachrichten für die Vinschgaubahn: Zum einen sei die Elektrifizierung und technische Aufwertung der Strecke eine beschlossene Sache, die Vorbereitungen liefen bereits und auch bei der Finanzierung täten sich neue Möglichkeiten auf, denn es könnte sein, dass die EU sich zu 50% an den 56 Mio Kosten beteilige. Am Montag (4.6.15) werde in Meran anlässlich einer Fachtagung zu "10 Jahre Neue Vinschgerbahn" ein Rahmenvertrag mit einem hohen Vertreter des Infrastrukturbetreibes RFI unterzeichnet, der die Übernahme der Strecke Bozen - Meran und das Inangriffnehmen der Riggertalerschleife in die Wege leiten soll. Vorhaben, die sich auch positiv auf die Vinschgaubahn auswirken werden, vor allem die geplante Beschleunigung der Strecke Meran - Bozen.
Landesrat Dr. Richard Theiner war einer der Pioniere für die Wiederinbetriebnahme der Vinschgerbahn. Daher darf er bei keiner der Feierlichkeiten fehlen. Er dankte auch der Umweltschutzgruppe Vinschgau, die durch ihre Hartnäckigkeit das Themad Bahn damals aktuell gehalten hatten. Er sprach auch ein Zukunftsthema an: den Lückschluss mit der Rhätischen Bahn. Da gilt es, sich mit Graubünden auf eine Trasse zu einigen und diese zu schützen, damit sie nicht verbaut werden kann, so dass künftige Generationen das Projekt umsetzen können. Auch gibt es Ideen, die Lombardei von Bormio aus durch eine Bahn mit Mals zu verbinden. Also durchaus "Zukunft in Bewegung" für die Vinschgaubahn!
Die Festgemeinschaft zum Schmunzeln und zum Lachen brachte Prof. Dr. Josef Feichtinger, der ein eigens für diesen Anlass verfasstes Gedicht (mit Prosa-Teilen) vortrug. (Das Gedicht weiter unten als pdf-Datei): Bei dieser Gelegenheit "korrigierte" er auch einige seiner pessimistischen Aussagen zur Vinschgaubahn aus früheren Jahren und übte auch leise Kritik an der manchmal hektischen Umsteigesituation in Meran oder am Verhalten mancher, vorwiegend jugendlicher Fahrgäste, die es nicht lassen können, "ihre Sportschuhe an den Sitzen aufzupolieren".
Den Abschluss bildete eine Buchvorstellung. Herr Dr. Ludwig Paulmichl vom Folio-Verlag stellte den Autor, den Wahlsüdtiroler und emeritierten Architekturprofessor Andreas Gottlieb Hempel vor. Der Autor hat das Buch "Vinschgau in einem Zug" anlässlich des Jubiläums gründlich überarbeitet, ergänzt und unter dem neuen Titel "Meran Vinschgau. Wandern mit Zug, Bus und Seilbahn" nun neu herausgegeben. Der Autor beschrieb, wie er als Wahlsüdtiroler unsere Heimat und besonders das Vinschgau lieben gelernt hat und dass er für seine Wanderungen vorwiegend öffentliche Verkehrsmittel wählt. Er erinnerte auch daran, dass es im 19. Jahrhundert Pläne gab, die Verbindung Paris - Instanbul durch den Vinschgau zu führen. Die Route des legendären Orient-Express hätte dann an Schlanders vorbeigeführt. Viele Anwesende nutzen die Gelegenheit, am Athesia-Bücherstand das Buch zu erwerben und vom Autor signieren zu lassen.Das Buch ist im Folio-Verlag, Wien - Bozen erschienen. Eine italienische Ausgabe wird in den nächsten Tagen erscheinen, ein Vorabdruck wurde zur Ansicht herumgereicht.
Am Bahnhof Schlanders befindet sich auch der Sitz des rührigen MEC, desModelleisenbahnclubs Schlanders (Präsident: Heinrich Unterholzner). Die Räumlichkeiten im ehemaligen Güterschuppen (die neuen Gebäudeteile hervorragend in die alte Struktur eingebunden!), waren für die Festgäste an diesem Tage zugänglich. Besonders sehenswert die absolut detailgetreu gestalteten Modelllandschaften zur Vinschgerbahn, darunter das Modell des Bahnhofs Schlanders vor der Betriebsschließung im Jahre 1991, klarerweise mit dem orginalen Rollmaterial aus verschiedenen Epochen, z.B. der Dampflokomotive der Baureihe 740.
Die Kinder der Volkshochschule trugen mit einer Ausstellung von Zeichnungen zum Thema Vinschgaubahn bei. Unter anderem war das Redner-Podium mit Zeichnungen geschmückt.
Alles in allem eine sehr gelungene Feier, zu dem auch das gute Wetter beigetragen hat.
Für das leibliche Wohl sorgte das Bahnhofscafé und Bahnhofsgrill, die Bäuerinnenorganisationen Schlanders, Vetzan und Nörderberg.




