Gelungene Feier am Bahnhof Salurn anlässlich der Verleihung der Auszeichnung "Bahnhof des Jahres 2021"

In Zukunft wird an der Wand am Bahnsteig eine Tafel an die Verleihung der Auszeichnung erinnern. Oswald Schiefer, Roland Lazzari, Walter Weiss, Arthur Scheidle, Daniel Alfreider. Foto: Thomas Mösl.
01.06.2021

Salurn feierte am 29. Mai fand bei Kaiser-Wetter ein besonderes Bahnhofsfest! Anlass war die Auszeichnung "Bahnhof des Jahres 2021", welches der Verein Freunde der Eisenbahn der Gemeinde Salurn für die gelungene Aufwertung und Erweiterung des Bahnhofsgebäudes und des Bahnhofsgeländes verliehen hat.

Bürgermeister Roland Lazzari konnte zahlreiche Ehrengäste begrüßen, viele Mitglieder des Gemeinderates, weiters Vertreter der Behörden und Vertreter der Vereine von Salurn, viele Eisenbahnfreunde aus Nah und Fern und interessierte Bürger. Der Bahnhof war festlich mit Blumen geschmückt und die Musikkappelle Salurn unter Obmann Andreas Plank umrahmte musikalisch die Feier.

Zu Beginn segnete Pfarrer Don Pierluigi Tosi den umgebauten Bahnhof. In den Fürbitten wurde u.a. die Hoffnung ausgedrückt, dass alle, die hier eine Reise beginnen, auch wieder wohlbehalten ans Ziel kommen.

Der Bürgermeister Roland Lazzari erklärte der Festgemeinde, wie es zu diesem Projekt gekommen ist und wie viele dabei erfolgreich zusammengearbeitet haben. Im Jahre 2013 schon wurde der Wunsch einer Sanierung des stark vernachlässigten Bahnhofes von der damaligen Vizebürgermeisterin Marlene Tabarelli an die Landesverwaltung herangetragen. Im Jahre 2015 wurde dann der Architekt Franz Kosta beauftragt, ein neues Projekt zu entwerfen, dass auch die Erweiterung des Bahnhofsgebäudes nach Norden hin und verbesserte Zugänge vorsah. Mit der Ausführung wurde dann der Architekt Matthias Trebo beauftragt. Noch ist man nicht am Ende. Aktuell plant die Gemeinde Salurn die Errichtung von abschließbaren Fahrradboxen, finanziert über ein Projekt im Rahmen der nachhaltigen Mobilität. Insgesamt wurden bisher an die 1,5 Mio €  ausgegeben. Er dankte allen beteiligten Akteuren, den Geldgebern und den Mitarbeitern der Firma Edilvanzo aus Cavalese, welche die Arbeiten ausgeführt hat.

Landesrat Daniel Alfreider betonte in seiner Rede, dass der Klimawandel immer nachdrücklicher die Änderung der Mobilitätsgewohnheiten fordere. Es sei Ziel der Landesregierung, den Bürgern zunehmend attraktive Mobilitätslösungen anzubieten, damit immer mehr auf das Auto verzichtet werden kann. Die Eisenbahnen in den Talsohlen bilden iden Rückgrat des Öffentlichen Verkehrs. Derzeit wird an mehreren Projekten gearbeitet, wie z.B. dem Virgl-Tunnel, der die Trennung der Meraner Linie von der Brennerlinie ermöglicht und damit die Kapazität der Strecke ins Unterland erhöht. So könne man an eine Verdichtung des Zugangebotes Richtung Unterland denken. Auch die Elektrifizierung der Vinschgaubahn und der Bau der Riggertalschleife werden sich positiv auf das gesamte Netz auswirken. Für das Unterland müsse man nun auch geeignete Trassen für die neuen Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel finden. Um die Menschen zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen, sei es auch notwendig, die Bahnhöfe aufzuwerten, damit sich der Fahrgast wohlfühlt. Bahnhöfe sind auch die Visitenkarte der Orte, die sie bedienen. Der Bahnhof Salurn, der wenig einladend war, ist jetzt ein sehr gelungenes Beispiel für eine Aufwertung in mehrfacher Hinsicht, sei es architektonisch, als auch funktionell und vor allem in Hinblick auf die Förderung der Gemeinschaft im Dorfe, denn das Gebäude biete Vereinen einen Platz.

Der Eigentümer des Bahnhofes ist der italienische Bahninfrastrukturbetreiber RFI (Rete ferroviaria italiana). Über Landesverträge ist das Bahnhofsgebäude und -gelände an die Gemeinde Salurn übergegangen. Als Vertreterin von RFI hielt Frau Lidia Faustin, die aus Salurn stammt und den Bahnhof als junge Studentin oft frequentiert hat, eine kurze Rede. Sie übermittelte zunächst Grüße des Leiters der Abteilung der Fahrgastgebäudeverwaltung Nord-Ost in Mestre, Giuseppe Brusamolin. RFI sei ein Teil des Konzerns "Gruppo Ferrovie dello Stato"" und betreibe das Schienennetz in Italien, das seien16.700 km mit 2.200 Bahnhöfen. 26.000 Mitarbeiter sorgten dafür, dass täglich 9.000 Züge ans Ziel kommen. Im Zuge der Technologisierung und Fernsteuerung des Betriebs seien viele Bereiche in den Bahnhöfen freigeworden, die vielfach lokalen Interessensgruppen gratis zur Verfügung gestellt würden. So auch hier in Salurn. Ziel sei die Vitalisierung und Requalifizierung der Bahnhöfe und die Pflege des kulturellen technischen Erbes. Die Architekten hätten im Falle Salurn auch mit dem Denkmalamt gut zusammengearbeitet. So habe sich auch der Bahnhof Salurn sehr zum Besseren gewandelt. "Wir sehen nun eine erfreuliches Zusammenspiel des historischen Teils und dem Zubau in einer sehr modernen Form". Lidia Faustin schließt mit der Hoffnung, "dass die Synergie und die gewinnbringende Zusammenarbeit zwischen den lokalen Behörden und dem Gruppo Ferrovie dello Stato" anhalte und diese weitere so überzeugende Ergebnisse wie das des vorbildlich renovierten Bahnhofs Salurn" bringe.

Nahe dem Bahnhof führt die Brennerautobahn A22 vorbei. Und auch die Brennerautobahngesellschaft habe entscheidend mitgewirkt, so der Bürgermeister. So konnte eine pfeilerlose neue Brücke über die Etsch und die Autobahn vom Dorf hin zum Bahnhof gebaut werden und auch vor dem Bahnhof - etwas erhöht - ein Kreisverkehr eingerichtet werden, der unter anderem das Wenden der Busse sehr erleichtert. Der Busanbindung nach Kurtatsch, Buchholz und Gfrill wurde optimiert und auf die Bahnfahrpläne abgestimmt. Die Firma Pojer hat mit Metall, Holz und Pflanzen die Insel im Kreisverkehr sehr wirkungsvoll gestaltet, so dass sie einen Blickfang bildet. Walter Pardatscher (als Vertretung für den verhinderten Hartmann Reichhalter) von der A22 erwähnte in seiner Grußbotschaft, die A22 sei nicht nur ein wichtiger Mobilitätsfaktor, sondern bedeute auch wegen des Lärms und der Emissionen eine Belastung für die Bevölkerung. Daher ist die Querfinanzierung von Projekten, die dem Gemeinwohl dienen, in gewissem Sinne auch ein Ausgleich, der gerne geleistet würde.

Grußworte und anerkennende Worte auch vom Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Überetsch/Unterland, Hansjörg Zelger.

Der Präsident des Vereins Freunde der Eisenbahn, Walter Weiss, streifte in in seiner Grußbotschaft einige der Punkte, die die Verkehrswende hin zur Bahn befördert haben: die Gründung des Vereins vor 20 Jahren; die Vielzahl an Mitgliedern, die ihn unterstützen; das Engagement der Landesregierung bereits unter Landeshauptmann Durnwalder, die laufenden Projekte, wie die Elektrifizierung der Vinschgaubahn und die geplante Riggertalschleife usw. Man müsse sich vergegenwärtigen, dass die Reaktivierung der Vinschgaubahn anfangs von vielen skeptisch gesehen wurde, viel Überzeugungsarbeit war zu leisten. Heute ist die Vinschgaubahn ein Erfolgsmodell und habe auf das ganze Land ausgestrahlt. Eine der Initiative des Vereins sei eben die Vergabe des Prädikates "Bahnhof des Jahres", das nun bereits zum 9. Mal vergeben wird und Ansporn sein soll, dass sich die Gemeinden für ihre Bahnhöfe verstärkt engagieren. Er beglückwünschte den Bürgermeister und alle, die an dem Projekt mitgewirkt haben zu der Auszeichnung. In seiner Ansprache kam die Begeisterung für die Bahn zum Ausdruck, sie sprang über und so konnte unser Präsident im Anschluss einige neue Mitglieder gewinnen.

Nun war der Part an Arthur Scheidle, Vizepräsident des Vereins Freunde der Eisenbahn. Er erläuterte, warum die Jury Salurn als Bahnhof des Jahres 2021 ausgewählt hat. Es handle sich beim Bahnhof um ein historisches Gebäude aus der Gründerzeit der Bahn Verona-Bozen aus dem Jahre 1859, welches vorbildlich renoviert wurde. Es bildet mit dem Zubau im zeitgemäßen Stil eine harmonische Symbiose. Die von den Fahrgästen genutzten Räume seien funktional und freundlich gestaltet. Selbst die Toiletten habe man schön gestaltet. In einer Vitrine im Fahrgastbereich sind Erinnerungsstücke ausgestellt, die an die Vergangenheit erinnern. Die Informationssysteme geben nicht nur Auskunft über die Verbindungen von hier aus per Bahn und Bus, sondern auch Informationen über die Sehenswürdigkeiten von Salurn. In die wiedergewonnenen Areale im ersten Stock sei wieder Leben eingezogen: eine Reihe von Vereinen, die für das Dorfleben wichtig sind, hätten nun hier ihren Sitz oder Vereinslokale: der CAI (Club Alpino Italiano), die Vereinigung ANA Alpini Salorno, der Jägerverein Salurn, die Heimatbühne Salurn. Der ehemalige Güterschuppen beherberge den rührigen "Verein Eisenbahnfreunde Südtirol - Associazione Ferramatori Trentino-Alto-Adige", Vorbildlich sei die Anbindung an das Dorf über die neue langgeschwungene, pfeilerlose Brücke. Die Anbindung an den Etschtal-Fahrradweg erfolge auch über sie. Am Bahnhof enden und starten die Busse des Nahverkehrs nach Buchholz, Gfrill und Kurtatsch. Zu wünschen wäre allerdings, dass ein Pächter für eine Bar gefunden wird, für im Bahnhof Platz vorgesehen ist. Der Bürgermeister bedankte sich bei Arthur Scheidle für die diversen "Kontrollvisiten" und auch bei Oswald Schiefer (Bürgermeister von Kurtatsch und Mitglied im Vorstand des Vereins Freunde der Eisenbahn) für das Einreichen des Ansuchens.

Die beiden Architekten Franz Kosta und Matthias Trebo nahmen den Applaus der Festgemeinde entgegen. Sie hätten ihre Arbeit mit viel Freude gemacht und wünschen sich, dass der Bahnhof in Zukunft auch gut gepflegt wird und sauber gehalten wird.

Nun wurde die Modellbauausstellung und die Briefmarkenausstellung von Herrn Ress (Thema Eisenbahn und Bahnhöfe) offiziell eröffnet und der Bürgermeister lud die geladenen Gäste zu einem Umtrunk ein.

Etwas Besonderes war die Aktion der "i Fuorigiri". Drei Salurner Radler waren in der Früh mit dem Zug von Salurn aus jeweils zu den am weitesten entfernten Bahnhöfen Mals, Brenner und Innichen gestartet, um mit dem Rad zurück nach Salurn zu fahren. Diese Aktion soll für nachhaltiges Mobilitätsverhalten werben und wird vom Bildungsausschuss Salurn und der Firma "Rothoblass" (Holztechnik) unterstützt.

Landesrat Daniel Alfreider und Präsident Walter Weiss - und natürlich auch viele Festgäste - ließen es sich nicht nehmen, das Ex-Güterdepot zu besuchen, wo der "Verein Eisenbahnfreunde Südtirol - Associazione Ferramatori Trentino-Alto-Adige" seinen Sitz hat. In diesem Bereich entstehen auch Modelleisenbahnanlagen und es werden fertige Modelle aufbewahrt. Auch  historische technische Geräte finden hier ihren Platz und zeugen von ehemaligen Betriebsabläufen. Ein Modell zeigt den Güterschuppen und die Umgebung. Die von den Eisenbahnfreunden angelegte Laube ist dabei bereits im ausgewachsenen Status vorweggenommen und auch die Vorstellungen von einer neuen Raumeinteilung werden damit vermittelt. Für die Pflege eines Teiles des Bahnhofsareals in der Nähe der Remise sorgen ebenfaffs die Bahnfreunde, ein durchaus nachahmenswertes Beispiel!

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