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Gelungene Feier anlässlich der Verleihung der Auszeichnung "Bahnhof des Jahres 2020" für den Bahnhof Spondinig-Prad-Stilfs
Bei strahlendem Sonnenschein verlieh am 12. September der Verein Freunde der Eisenbahn im Rahmen einer gelungenen Feier am Bahnhof Spondinig-Prad-Stilfs-Stilfs der Gemeinde Prad die Auszeichnung
"Bahnhof des Jahres 2020"
Eigentlich hätte die Feier bereits im Frühjahr stattfinden sollen, aber coronabedingt wurde sie verschoben. Ein Kommitee unter der Führung von Ludwig Fabi hatte für ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Festprogramm gesorgt. Es war auch Ludwig Fabi, der die verbindenden Worte sprach und zu einer Begehung des weitläufigen Geländes einlud.
Eingefunden hatten sich neben dem Bürgermeister von Prad Karl Bernhart, der Landtagspräsident Sepp Noggler, der Bezirkspräsident Andreas Tappeiner, der Generaldirektor der STA, Joachim Dejaco, Bürgermeister, der Ex-Landtagsabgeordnete Robert Kaserer und Vertreter der Gemeinden, eine Vertretung des Landesamtes für Jugendarbeit, Gustav Tschenett und Friedl Sapelza ("der gute Geist von Spondinig"), der Präsident des Vereins Freunde der Eisenbahn, Walter Weiss und Vizepräsident und Vorstand der Jury, Arthur Scheidle. Auch Mitglieder des Vereins Freunde der Eisenbahn und Bürger von Spondinig und Prad hatten sich eingefunden. Unter den Gästen auch Ing. Bernd Geppert aus Deutschland.
Der Bürgermeister von Prad, Karl Bernhart erklärte eingangs die besondere Geografie des Bahnhofgeländes: das Bahnhofsgebäude, die Gleisanlagen, die Bahnhofbar gehörten zur Gemeinde Prad, die Fahrradservicestelle im ehemaligen Güterschuppen, der neue Seminarraum und der Imbissstand hingegen befinde sich auf Spondiniger, letztendlich Schludernser Gebiet. Es sei auch der "offizielle" Bahnhof für das doch etwas entferter gelegene Bergdorf Stilfs. "Politisch gehören die Spondiniger zu Schluderns, postmäßig zu Prad und beerdigt werden sie in Eyrs bzw. in Schluderns", so erklärte Bürgermeister Karl Bernhart schmunzelnd die etwas komplizierte Situation der Spondiniger. Nichtsdestotrotz verfügen sie über einen der schönsten und größten Bahnhöfe an der Vinschger Bahnlinie.
Er erinnerte an die Zeit der Bahnprojektierung Anfang des 20. Jahrhunderts. Schuld daran, dass die Trasse nicht über das bevölkerungsstärkere Prad führe, hätten unter anderem gewisse Kleriker, denen die Eisenbahn ein Gräuel war, denn die Eisenbahn bringe nichts Gutes, nur "Fremme" kämen und damit würden die Sitten verdorben. Es gab aber noch weitere Einwände: durch die Bahnlinie würden nur die Bodenflächen zerschnitten und die Fuhrleute verlören ihre Arbeit.
Allen Widerständen zum trotz wurde der Bahnhof Spondinig vor nunmehr 115 Jahren eine wichtige touristische Umstiegstation. Von hier aus ging es ins Sulden und Trafoital, sowie aufs Stilfserjoch (Deshalb ist der Bahnhof auch größer als alle anderen im Tale, da er auch einen Wartesaal 1. Klasse hatte. Der Autor).
Aber jetzt sind wir sehr stolz auf unseren Bahnhof Spondinig-Prad-Stilfs, denn er diene nicht nur einer umweltbewussten Mobilität, sondern er beherberge in den vielen Räumlichkeiten viele wertvolle Organisationen der Weiterbildung: die Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung, den Jugenddienst Obervinschgau, die Vinschger Sozialgenossenschaft VISO, die Bezirksservicestelle für die Bildungsausschüsse ("von Reschen bis Kastelbell)", das Informationsbüro für den EU-Interreg-Rat "Terra retica" und den Jugenddienst Obervinschgau.
Weitere nützliche Einrichtungen für die Fahrgäste gebe es auf dem Bahnhofsgelände, so im ehemaligen Güterschuppen einen Fahrradservice mit Verleih, am Bahnhofsvorplatz einen Imbissstand mit regionalen Produkten und eine einladende Bahnhofsbar.
Doch nicht genug: In einem Nebengebäude (wohl in der ehemaligen Güterabfertigung. Der Autor) wurde ein Seminarraum eingerichtet, der auch als Probelokal für Musikgruppen dient. Der Raum wurde in Gedenken an den "Hotel Post-Hirsch"-Wirten zu Spondinig „Josef-Peer-Saal“ benannt. Neben einer kleinen Teeküche verfügt der neue Seminarraum Platz für bis zu 40 Personen und alle technischen Vorzüge eines modernen Seminarraumes.
Zudem verbindet eine neu gebaute Fuß- und Radbrücke mit dem Vinschger Radweg und über diese erreicht man nun schneller Prad und die Naherholungszone mit den Fischteichen.
Der Bürgermeister wies in die Zukunft: Mit der Elektrifizierung der Vinschgerbahn werde zu jedem Zug eine Busverbindung nach Prad eingerichtet. Zur Zeit werde am Gelände nahe der Etsch ein neuer Fahrradstand errichtet und es soll auch eine Ladestation für E-bikes dazukommen.
Er dankte allen, die zur Aufwertung des Bahnhofes beigetragen haben für die Unterstützung und gute Zusammenarbeit.
Der Präsident unseres Vereins, Walter Weiss ließ in seinen Grußworten nochmals die Geschichte der Wiederinbetriebnahme der Vinschgerbahn Revue passieren, verwies auf den Erlebnisbahnhof Schnalsthal, erwähnte die hohe Anzahl an Bürgermeistern, die im Verein Mitglied sind - und er gratulierte der Gemeinde Prad zur Auszeichnung! Die Arbeit als Präsident habe ihm sehr viel Genugtuung gebracht, und wenn er hier so schöne Ergebnisse sehe, dann wünsche er sich eigentlich nur, dass es mit der Entwicklung der Mobilität in Südtirol so gut weitergehe wie bisher.
Arthur Scheidle, Vizepräsident des Vereins und Vorsitzender der Jury, wies darauf hin, dass dies bereits die 8. Verleihung der Auszeichnung "Bahnhof des Jahres 2020" sei und fasste zusammen, welche Punkte für die ausschlaggebend waren: es sei ein Musterbeispiel für Restaurierung und Bewahren des architektonischen Erbes; zusammen mit dem "Posthotel Hirsch" und dem Soldatenfriedhof sei er in ein Ensemble eingebunden; die Anbindung an die Fahrradwege durch die neue Brücke über die Etsch; der umfassenden Service für die Radfahrer; der Komfort für die Fahrgäste durch erhöhte Bahnsteige und Lifte zu den Bahnsteigen und Toiletten. Eine Besonderheit - so Scheidle - seien die ausgedehnten und sehr gepflegten Gartenbereiche und natürlich die Nutzung der gesamten Kubatur für die vielfältigsten Kulturinitiativen. Es gebe auch Pendlerparkplätze mit kurzen Wegen zum Zug und nicht zuletzt gute Busverbindungen in die umliegenden Orte. Alles in allem eine sehr lebendige Struktur und so finde man ein echtes Mobilitätszentrum vor, das das Traditionelle gebührend bewahrt und die Struktur zukunftsorientiert ausrichtet (Sie finden weiter unten die Präsentation der Begründung für die Verleihung der Auszeichnung "Bahnhof des Jahres 2020", die bei der Vollversammlung des Vereines präsentiert worden ist).
Direktor Joachim Dejaco von der STA (Südtiroler Transportstrutkuren AG) ergriff kurz das Wort. Er verwies auf die 30 Mitarbeiter, die tagtäglich dafür sorgen, dass die Vinschgaubahn pünktlich und sicher fährt. 2 Millionen Fahrgäste im Jahr seien ein schlagender Beweis für den Erfolg der Vinschgaubahn und dieser Erfolgstrend werde nach der Elektrifizierung (die derzeit umgesetzt wird) wohl noch einen weiteren Schub bekommen. Die STA sorgt für einen reibungslosen Bahnbetrieb. Für die Bahnhöfe wiederum seien die Gemeinden zuständig, und die machen einen guten Job, die Gemeinde Prad sogar einen besonders guten Job, was das gepflegte und gut genutzte Bahnhofsgebäude wunderbar belege. Es komme immer auch auf eine gute Zusammenarbeit an, der Bahnhof Spondinig-Prad-Stilfs sei da ein besonders gelungenes Beispiel für ein gelungenes Zusammenspiel. Heuer feiern wir auch 25 Jahre Süditroler Verkehrsverbund und dieser Bahnhof ist ein wichtiges Glied in diesem System.
Landtagpräsident Sepp Noggler erwähnte, dass bei der Reaktivierung der Vinschgerbahn auch die Obervinschgauer, speziell Wolfang Platter (damaliger Bürgermeister von Laas) und Christian Klotz (damaliger Bürgermeister von Schluderns und Bezirkspräsident) einen großen Anteil gehabt hätten, nicht zuletzt auch der Exlandesrat Richard Theiner. Es gehe nun darum, weitere Schritte zu setzen, das wäre einmal den Ausbau der Bahnverbindungen in die Schweiz, nach Landeck und nach Bormio in die Lombardei. So würde der Obervinschgau ein regelrechtes Drehkreuz, von wo aus es in alle Richtungen Bahnverbindungen gäbe, welche die Menschen in der Region zusammenbrächten. Gestern (also am 11. September) hätten sich in Graun am Reschensee die Regierungschefs der Länder Südtirol, Nordtirol, Graubünden und Lombardei getroffen, um diese Vision durch Absichtserklärungen zu untermauern. Zunächst gehe es mal um Trassenfestlegungen und um Machbarkeitsstudien. Ein weiteres Projekt sei die Beschleunigung der Vinschgaubahn durch Bau weiterer Ausweichstellen, um den Betrieb von Schnellzügen zu ermöglichen, die mit der Elektrifizierung aus bahntechnischen Gründen bei einem Halbstundentakt nicht mehr eingefädelt werden können. Er appellierte an alle Bürgermeister, diese Anliegen tatkräftig zu unterstützen.
Im Bahnhofsgebäude (auf Bahnsteig 1) hat auch der Jugenddienst Obervinschgau seine Räumlichkeiten. Herr Tobias Lechner präsentierte die neue Aktion "Junges Dorf". Unter diesem Label werden die verschiedensten Maßnahmen zur Verbesserung von Lebensbedingungen von Jugendlichen im Vinschgau geschaffen. Es brauche insgesamt mehr Verständnis für die Jugend und mehr Möglichkeiten der Mitbestimmung, so der Jugendvertreter. Die Attraktivität der Dörfer steige aber nicht zuletzt auch mit verbesserten Moblitätsangeboten. Ziel sei es unter anderem, dass junge Leute und vor allem junge Akademiker nicht das Land verlassen müssen, sondern hier eine Perspektive finden. Die Finanzierung läuft großteils über das Amt für Jugendarbeit.
Nach den Ansprachen schraubten nun der Bürgermeister Bernhart und Arthur Scheidle in einem gemeinsamen "Kraftakt" unter Beifall das Schild "Bahnhof des Jahres 2020" an einer gut sichtbaren Stelle an der Bahnhofswand an.
Ludwig Fabi von der Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung führte durch das Programm und lud nun zu einer Begehung des weiten Bahnhofareals ein, denn es gäbe da weitere Überraschungen. Der Weg führte über die neue Etschbrücke. Gleich dahinter die erste Station: eine zunächst noch mit einem blauen "Bildungsschurz" verkleidete künstlerisch gestaltete Bildungs-Wandtafel mit der Bezeichung "Vinschgauer Bildungszug". Frau Adeline Wallnöfer und Herrn Fabi enthüllten diese Installation effektvoll. Auf Tafeln sind nicht wenige Organisationen der Weiterbildung aufgelistet, welche in der Region tätig sind (und wie wir wissen im Bahnhof Sponiding ihren Sitz haben). Uns wurde auch der Sinn zweier weiterer "Impulstafeln" erklärt. Die Anregungen darauf lauten: "Verstrickt - weiter stricken!" und "Ausgewachsen - nochmals wachsen"!
Schließlich führte uns der Rundgang zu einer zweiten Station, in den in einem Bahnnebengebäude (vermutlich die ehemalige Güterabfertigung, so der Autor) neu adaptierten Seminarraum. Zur Zeit läuft dort eine Ausstellung von Malereien und Zeichnungen der Künstlergruppe "ich+ich" des Hauses Slaranusa in Schlanders. Die Werke wurden Menschen mit besonderen Bedürfnissen kreiert im Rahmen eines Projektes der "Integrierten Volkshochschule Vinschgau", wie uns Frau Nadja Schwienbacher erklärte
Aber der Raum enthielt eine weitere Überraschung, nämlich die detailgenaue Darstellung des Bahnhofes Spondinig-Prad-Stilfs als fein ausgearbeitetes Modell im Maßstab N mit Zügen aus verschiedenen Epochen auf den Gleisen. Gebastelt hat das Modell Herr Theo Köfl vom Modelleisenbahnclub Schlanders, der die Herausforderungen bei dieser Präzisionsarbeit und Details zur Geschichte der Vinschgaubahn auch gerne erklärte.
Abgerundet wurde dieser facettenreiche Vormittag mit einem Umtrunk und köstlichen Häppchen an den Tischen der Bahnhofbar, wobei noch länger fachgesimpelt und diskutiert wurde. Eingeladen hat dazu die Gemeinde Prad. "Peters Imbissstube" ergänzte das kulinarische Angebot mit einer speziellen "Bahnhofswurst" .
Musikalisch umrahmt wurde diese Feier übrigens den ganzen Vormittag hindurch durch die Musikkapelle Prad.
Leser, wenn Du in späteren Jahren diesen Bericht zu Gesicht bekommen solltest, wundere Dich nicht über die Menschen mit Gesichtsmasken. Das hat mit dem verflixten Corona-Jahr 2020 zu tun, da war das Pflicht, um die Ausbreitung einer Pandemie zu verhindern.




