Gelungene Tagesfahrt mit Bahn und Postbus nach Einsiedlen (CH)

Die Gruppe vor einem Flirt-Zug der Schweizerischen Südostbahn im Bahnhof Einsiedeln
03.06.2016

Am 2. Juni, einem Feiertag in Italien, machten sich 38 Mitglieder des Vereins Freunde der Eisenbahn auf nach Einsiedeln in die Schweiz.

Diesmal erfolgte die Fahrt gänzlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und trotz mehrmaligen Umsteigens konnten alle Anschlüsse erreicht werden.

In Mals überraschte und die Schweizer Postauto-Gesellschaft mit einem Sonderbus. In Zernez konnten wir  die hochstehende Bahnkultur bei der Rhätischen Bahn kennenlernen. Ein wirkliches Mobilitätszentrum! Vom Bus zur Bahn sind es nur ein paar Schritte, alles überdacht. Der neu adaptierte Bahnhof ist ein  hat eine Unterführung, es gibt noch Güterverkehr (sogar eine Verschublok ist noch da) und einen Serviceschalter, bei dem es nicht nur Fahrkarten, sondern auch Souvenirs und vielfältiges Informationsmaterial um Bahnfahren gibt. Wie bestellt kam auch noch eine Garnitur der nagelneuen Albulazüge, die auf dieser Linie Testfahrten unternimmt.

Via Vereinatunnel ging es ins Prettigau. In Klosters stieg Dipl.-Ing. Paul Stopper zu, ein pensionierter schweizer Bahnfachmann, schon lange Mitglied unseres Vereins und ein aktiver Förderer. Er begleitete die Gruppe den ganzen Tag über und gab Auskunft auf die vielen Fragen, die ihm die Mitglieder während der ganzen Fahrt stellten.

Die Schweiz hatte ja gerade am Vortag den neuen Gotthard-Eisenbahntunnel feierlich eröffnet, ein Jahrhundertbauwerk wurde, begleitet von einem Volksfest, der Bestimmung übergegeben. An der Eröffnungsfahrt nahm unter anderem auch Premier Renzi, die deutsche Bundeskanzlerin Merkel und der neue österreichische Bundeskanzler Christian Kern (vormals Chef der ÖBB) teil. Ein starkes Signal dafür, dass die Eisenbahn auch im 21. Jahrhundert eine große Rolle spielen wird, unter anderem auch bei der Erreichung der Klimaziele durch die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf der Schiene.

Die "kleine Rote", die Rhätische Bahn, brachte uns auf Schmalspur bis nach Landquart, wo wir auf den Regioexpress umstiegen. Zunächst ging es durch das Rheintal, dann weiter mit einem neuen doppelstöckigen Nahverkehrszug von Stadler vorbei am Walensee und am westlichen Teil des Zürichsee bis nach Wädenswil, wo wir auf einen Flirt der Südostbahn umstiegen. Der Zug gewinnt dann an Höhe, es gibt dabei einen herrlichen Ausblick auf den Zürich-See und bald erreicht man den Wallfahrtsort Einsiedeln.

Paul Stopper gab einige Erklärungen zur grandiosen Wallfahrtskirche und den berühmten Pferden, die das Kloster züchtet. Nach einem sehr schmackhaften Mittagessen besichtigten wir noch kurz diese barocke Kathedrale mit einer schwarzen Madonna als Gnadenbild, um uns dann wieder am Bahnhof einzufinden um die selbe Strecke zurückzufahren.

Die schweizerische Postautogesellschaft verlängerte die Fahrt von Müstair/Grenze bis nach Mals, um uns zur Vinschgaubahn zu bringen. Auch auf den letzten Abschnitten wurde noch viel diskutiert. Es schien eigentlich niemand durch die lange Fahrt müde geworden zu sein.

Wie immer bringt man vom Bahnland Schweiz viele Impressionen mit und man würde sich auch in Südtirol einen so guten Bahnservice wünschen: gute Informationssysteme, welche relevante Informationen benutzerfreundlich präsentieren, einen Reservierungsservice für Gruppen, einen wirklichen Halbstundentakt ohne Brüche, abwechselnd Regionalexpress- und Regionalzüge auf vielen Strecken, erste Klasse auch in Zügen des Nahverkehrs, Fahrgastzeitungen in den Zügen und eine Vielfalt an Broschüren mit Sonderangeboten und Reisetipps in den Bahnhöfen. Und es gibt auch in vielen Bahnhöfen noch einen regen Güterverkehr, der bei uns leider bis auf den Transit ausgestorben ist. Es gibt also noch einiges zu tun in Südtirol, wenn wir uns mit der Schweiz in Sache Nahverkehr messen wollen! Nur in einem können sie nicht mithalten: bei den Fahrpreisen sind wir wohl konkurrenzlos günstig.

Herbert Kaserer

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