Hochkarätige Fachtagung anlässlich des 10-Jahres-Jubiläum der Vinschgerbahn in Meran

Viele Besucher bei der Fachtagung "Regionalbahnen: Motor für Wirtschaft, Tourismus und Gesellschaft" in der Remise der SAD Bahntransporte in Meran (Foto: Walter Weiss)
05.05.2015

Am Montag, 4. Mai fand anlässlich des Jubiläums "10 Jahre Neue Vinschgaubahn" eine gut organisierte und gut besuchte Fachtagung zum Thema "Regionalbahnen: Motor für Wirtschaft, Tourismus und Gesellschaft" statt.

Die STA (Südtiroler Transportstrukturen AG) lud in Zusammenarbeit mit der SAD-Nahverkehr AG und dem Mobilitätsressort der Landesverwaltung dafür in die extra hergerichtete Remise der SAD am Meraner Bahnhof (in den ehemaligen Lokschuppen).

Zu Beginn wurde in einer Gedenkminute der Opfer des schweren Unglücks im Jahre 2012 gedacht.

Alles, was in der Politik Rang und Namen hat, hat sich eingefunden: Landeshauptmann Arno Kompatscher, Mobilitätslandesrat Florian Mussner, Thomas Widmann (ehemaliger Mobilitätslandesrat und Präsident des Südtiroler Landtags),  Eniergie-Landesrat Richard Theiner, Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder und die Senatoren Hans Berger und Karl Zeller sowie Paolo Emilio Signorini (Ressortleiter im Transportministerium in Rom).

Thomas Widmann erwähnte, dass die Sensibilisierung des Vereins Freunde der Eisenbahn unter dem unermüdlichen Präsidenten Walter Weiss ("Der Verein hat jetzt über 1000 Mitglieder. Fast jeder hier im Saal ist Mitglied!") ein wesentlicher Faktor für die Wiederinbetriebnahme gewesen sein. Widmann wies darauf hin, dass der Erfolg der Vinschger-Bahn auch Voraussetzung für die Aufwertung der Bahn im Pustertal gewesen sei. Vorher sei Südtirol bahnmäßig regelrecht ein Entwicklungsland gewesen. Neue Bahnhöfe seien entstanden und im Pustertal gibt es eine europaweit einmalige Verbindung von Skigebieten mit der Bahn. Und nicht zuletzt sei der Südtirol-Pass ein Tarif-Modell, um das uns viele Regionen beneiden.

Landeshauptmann Arno Kompatscher verwies darauf, dass nicht nur an den Bahnverkehr in Südtirol gedacht wird, sondern auch an bessere Verbindungen in die Nachbarregionen. Wir fahren bereits nach Lienz und Innsbruck und man dürfe dabei auch die Verbindung in die Schweiz vergessen. Auch die Finzanzierung des BBT (Brenner-Basis-Tunnels) stehe nun. 55 Mio soll die Elektrifizierung und Aufwertung der Vinschger Bahn kosten, eine Ko-Finanzierung über die Europäische Investionsbank).

Es wurde auch auf neue Projekte hingewiesen, wie Wiederinbetriebnahme der Tauferer und Grödner-Bahn (im Rahmen eines Dolomitenbahn-Projektes).

Viele Fachleute und Förderer der Eisenbahn waren ebenso zu sehen: Walter Weiss, unser Präsident, Dr. Helmut Petrovitsch und Günter Denoth aus Innsbruck, Ing. Paul Stopper aus der Schweiz.

Nach der Begrüßung folgten Fachreferate: Joachim Dejaco gab einen Rück- und Ausblick auf die Vinschgerbahn. Die beiden Bilder weiter unten zeigen Ausschnitte aus seiner Präsentation: einmal die Entwicklung der Passagierzahlen (stagnieren bei 2 Mio Fahrgästen jährlich, da es mittlerweile zu Kapazitätsengpässen kommt) und dann ein Vergleich der Transportkapazität der heutigen GTW-Triebwagen im Vergleich zu den Flirt, die auf der elektrifizierten Vinschgaubahn fahren werden. Die Strecke werde kostengünstig mit 25.000 Volt/50 Hz Wechselstrom betrieben, 1000 Masten werden gesetzt und die Strecke mit dem hochwertigen Sicherheitssystem ECTS Level 2 ausgestattet. Er schloss mit dem Appeitll an die Politiker, bei den Verkehrsinvestitionen in Zukunft die Schiene anteilmäßig besser zu stellen. Der Löwenanteil (113 Mio im Verhältnis zu 31 Mio für die Schiene ergingen immer noch an die Straße).

Es folgten Fachvorträge vom Verkehrsplaner Stefano Ciurnelli über vergleichbare Regionalbahnen in Italien und von Prof. Gabi Tröger Weiss, die den ÖPNV unter dem Aspekt der Daseinsvorsorge betrachtete.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von Martin Außerhofer (Präsident der STA)  geleitet wurde, ergriffen das Wort: Landeshauptmann Arno Kompatscher, Maurizio Gentile (Geschäftsführer von RFI, des italienischen Bahninfrastruktur-Betreibers), Günter Mackinger (Eisenbahnfachmann aus Salzburg) und Günter Burger (Direktor der Abteilung Mobilität). und SAD-Präsident Christoph Perathoner. Günter Mackinger sprach von der Ausstrahlung der Vinschgaubahn auch auf österreichische Projekte. Leider sind in der Vergangenheit zu viele Lokalbahnen dem Autowahn geopfert worden, in Salzburg z.B. die Salzkammergutbahn, aber auch in Südtirol sind viele Bahnen verschwunden.

Den letzten Programmpunkt bildete die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen dem Land Südtirol und RFI, gültig für die nächsten 10 Jahre. Dieses Rahmenabkommen stellt den Start folgender großer Investitionsprojekte dar: Schnellere Anbindung Pustertal an Bozen durch die sog. "Riggertal-Schleife", Ausbau der Strecke Bozen Meran, Bau des Virgl-Tunnels, um den Zugang zum Bahnhof Bozen von Meran und vom Süden aus wesentlich zu erleichtern.

Maurizio Gentili meinte, dass bisher noch keine Region um Übernahme einer Bahnstrecke angesucht habe. Im Falle von Meran-Bozen macht das Sinn, weil dann die Strecke Mals-Bozen eine einheitliche Betriebsführung bekäme.

Die Fahrzeiten auf der Strecke Meran-Bozen sollen auf 30 Minuten reduziert werden und die Frequenz in Spitzenzeiten auf 15 Minuten erhöht werden. Diese Beschleunigung wird sich natürlich positiv auf das gesamte Netz und speziell auf die Vinschgaubahn günstig auswirken.

Zum Abschluss gab es einen Umtrunk, eine Brettljause und Weißwurst.

Diese Tagung ließ deutlich spüren, dass die Bahn das Verkehrsmittel der Zukunft ist und dass dies nun auch in Südtirol erkannt worden ist. "Bahnen sind Lebensadern", so war der Tenor der Veranstaltung und diese gelte es auszubauen. Sie fördern Wirtschaft, Tourismus und Wohlbefinden der Bürger.

Martin Außerhofer versicherte in der Tagesschau von RAI Südtirol, dass alle diese Vorhaben in 7 Jahren abgeschlossen werden. Mit der Planung der Riggertalschleife beginne man sofort, man habe dafür eine Querfinanzierung vom BBT her. Die Vorarbeiten für die Elektrifizierung der Vinschgaubahn seien schon so weit gediehen, dass in 3 bis 4 Jahren das Projekt umgesetzt werden wird.

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