Verein „Freunde der Eisenbahn“ · Staben 34/a · I-39025 Naturns · BZ · Mobil +39 349 4428248 · Fax +39 0473 664 663 · E-Mail: info [at] eisenbahn [dot] it
Interesssante Exkursion für Mitglieder nach Laas
Die traditionelle Junifahrt führte heuer nach Laas.
Die Gruppe Vereinsmitglieder wurde dort am Bahnhof von dem Kulturvermittler Wilfried Stimpfl und von Roland Lechner (Initiative "Marmor Plus" erwartet. Wilfried Stimpfl stellte uns die Besonderheiten des Dorfes vor, das interessanterweise kaum Tourismus hat, aber dennoch reichlich Kulturinitiativen wie den jährlich zu vergebenden "Franz-Tumler-Literaturpreis" und Vieles rund um das Thema Marmor bietet. Befinden sich doch im nahe gelegenen Laaser-Tal berühmte Marmorbrüche und im Tal die Fabrikanlagen zur Verarbeitung des schneeweißen und witterungsbeständigen Marmors. In Laas befindet sich eine renommierte Steinmetzschule, die sich großer Beliebtheit erfreut. Am ersten Augustwochenende findet das bunte Straßenfest "Marmor und Marillen" (zusammen mit der Nachbargemeinde Schlanders) statt. Das Programm reicht von Kulturwanderungen, Menüs für Feinschmecker und Ausstellungen bis hin zu interessanten Vorträgen über den Laaser Marmor.
Am Vormittag begleitete uns Herr Roland Lechner. Erfreulicherweise wird ein Teil des Bahnhofsgebäudes von "Marmor Plus" genutzt. Dort erlebten wir eine eindrucksvolle Filmpräsentation über die Entstehung, die Geschichte, den Abbau und die Verarbeitung des Marmors. Erstaunlich, wo überall in der Welt von berühmten Architekten und Königshäusern der schneeweiße Marmor verwendet wurde: als Grabkreuze auf amerikanischen Soldatenfriedhöfen, für Denkmäler wie das Moltke-Denkmal in Berlin und das Johann-Strauß-Denkmal in Wien, um nur zwei Beispiele zu nennen. Großes Aufsehen erregten in letzter Zeit die Ausgestaltung des neu errichteten U-Bahn-Bahnhofes auf dem World-Trade-Gelände in New York oder die Finlandia-Halle in Helsinki, um auch hier nur zwei Beispiele anzuführen.
Anschließend besuchten wir den traditionsreichen Steinmetzbetrieb Josef Mayr, wo wir gezeigt bekamen, wie aus einem Block Marmor mit ausgefeilter Technik, eine reizvolle Skulptur wird.
Anschließend ging es über die Schienen der Vinschgaubahn auf das Gelände des Marmorwerkes "Lasa Marmo" und der dortigen "Laaser Marmorwelt" mit dem historischen Portalkran und wertvollen Skulpturen.
Besonders interessant für uns war das Thema "Laaser Schrägbahn", ein technisches Kulturgut, das leider seit Jahren nicht mehr genutzt wird und leider zusehends verfällt. Seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die massiven Marmorblöcke zunächst mit einer Materialseilbahn an den gegenüberliegenden Hang befördert, von wo aus eine Schmalspurbahn die Waggons mit dem Material zur Schrägbahn beförderte. Unten angekommen, wurden die Waggons wiederum auf einer Schmalspurstrecke bis ins Werk geschoben. Auf dem Gelände steht noch eine der Lokomotiven mit einer der Loren, sehr renovierungsbedürftig zwar. Die zweite Lok ist beim Maschinenhaus auf der Bergstation der Schrägbahn zu besichtigen. Ein Waggon mit einem Marmorblock befindet sich auf dem Erlebnisbahnhof Schnalsthal in Naturns. Leider sieht es um die Zukunft der Schrägbahn schlecht aus. Die Marmorblöcke, sowohl vom Göflaner Bruch als auch vom Weißwasserbruch werden inzwischen mit Lastkraftwagen zu Tale gebracht. Der Verein, der eine Nutzung als touristische Bahn angestrebt hat, existiert nicht mehr und die Firma scheut die hohen Kosten einer Umwidmung zu einer touristischen Nutzung. Auch bei der Laaser Bevölkerung sei das Interesse an einer Wiederbelebung der Schrägbahn nur gering und es gäbe viele Interessenskonflikte.
Die Mittagspause verbrachte die Gruppe in den beiden Gasthäusern "Zur Krone" und "Zur Sonne".
Der Schulmann und Kulturvermittler Wilfried Stimpfl gab uns am Hauptplatz weitere Informationen zur Kultur- und Baugeschichte von Laas. Der Südtiroler Autor N.C. Kaser hat seinerzeit kurz in Laas kurz unterrichtet und seine Impressionen zu Laas in ein Gedicht gefasst hat. Herr Stimplf las es uns vor.
Vorbei an alten charakteristischen Dorfhäusern, leider teilweise unbewohnt und fast schon Ruinen, spazierten wir längs des bekannten Kandl-Waales hinaus nach St. Sisinius. Das Wasser für den Kandl-Waal kam aus dem über der Etsch gelegenen Laasertal und ein beachtliches Aquädukt brachte das begehrte Wasser auf die Nordseite. Reste des Bauwerks sieht man heute noch bei der Einfahrt in den Laaser Bahnhof von Schlanders her und lässt die Dimensionen erkennen.
Vor dem außerhalb der Ortschaft frei stehenden Kirchlein St. Sisinius erwartete uns die Kunstkennerin Susanne Saewert, eine Bundesdeutsche mit starken Bindungen zu Laas, die uns die Entstehungsgeschichte dieser romanischen Kirche, eingefasst von einer Mauer erklärte. Sie ist Vertraute des Laaser Malers Jörg Hofer, der in jungen Jahren ein Tryptichon für diese Kirche gemalt hat, das wiederentdeckt nun in der Apsis ausgestellt ist. Es zeigt in moderner Malweise Motive aus der Schöpfungsgeschichte und spiegelt die Farbtöne des Sonnenberges wieder.
Damit endete die die diesjährige Juni-Exkursion 2025 zur großen Zufriedenheit der Teilnehmer und Teilnehmerinnen.
Marmor Plus (Marmor-Führungen)




