Oberbozen: Bahnhof des Jahres 2018

Walter Weiss (mit Mütze), r. Arthur Scheidle und Thomas Widmann; l.3. Florian Mussner und Paul Lintner.
28.05.2018

Einen Freudentag gab es am 26. Mai für den Verein Freunde der Eisenbahn und die Gemeinde Ritten.

Zum sechsten Mal wurde die Auszeichnung „Bahnhof des Jahres“ vergeben, dieses Jahr (2018) an den Bahnhof der Fraktion Oberbozen am Ritten. Die Auswahl trifft der Verein Freunde der Eisenbahn in Zusammenarbeit mit dem Ressort Mobilität und dem Südtiroler Gemeindeverband. Es war prächtiges Wetter und der Rahmen sehr würdig. Für die Bahnbegesteiterten wurden die alten Zug-Garnituren auf das Gleis gestellt.

Durch die Feier führte Markus Untermarzoner, Vorsitzender des Rittnerbahnkomitees. Viel Prominenz hatte sich eingefunden und es gab zahlreiche Redner. Theatralische Szenen mit einer Vielzahl von Laienschauspielern vom Ort - und ein feines Buffet bildeten den Abschluss der Feier. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Oberbozner Böhmischen. Im alten Bahnhofsgebäude läuft zur Zeit eine Dauer-Ausstellung zur Rittnerbahn.

Arthur Scheidle als Vorsitzender der Jury erinnerte an die Zeiten um 1910, als von Bozen aus 5 schienengebundee Bahnen die Höhen erschlossen. Das Teilstück der Rittnerbahn sei als einzige übriggeblieben. Er begründete die Wahl des Bahnhofes Oberbozen folgendermaßen: Der neugestaltete, verkehrsberuhigte Platz sei nicht nur besonders einladend, sondern verbinde auch Nostalgie (Rittner Schmalspur-Bahnl) mit Modernität (Umlaufbahn Bozen - Oberbozen von Leitner). Erfreulich sei, dass der Platz nach dem Südtiroler Bahnpionier Josef Riehl benannt ist, der auch die Rittnerbahn gebaut hat. Das Büro des Tourismusvereines ist nun ebenfalls in neuen Räumlichkeiten am Platz angesiedelt. Dieser Platz ist Empfangshalle und Mobilitäts-Drehscheibe in einem. All diese Elemente bilden - so Scheidle - ein besonders wirkungsvolles Ensemble und sei ein Meilenstein in Richtung sanfte Mobilität. Auch hätten viele Akteure gut zusammengewirkt, um die Platzgestaltung und das moderne, geräumige Ex-Wartehäuschen, nun mehr Fahrgast-Pavillon, in die Tat umzusetzen.

Der Landesrat für Mobilität Florian Mussner bedankte sich bei dem Verein Freunde der Eisenbahn für die Initiative und bei all den Akteuren, Gemeinde, Südtiroler Transportstrukturen AG, SAD usw. und verwies auf die zunehmende Nutzung der Rittner-Seilbahn und der Rittner-Bahn. So komme die Seilbahn auf eine Million Fahrgäste pro Jahr, das Rittnerbahndl auch schon auf 640 Tausend pro Jahr.

In der Werkstatt steht demnach auch ein weiterer ehemaliger Trogener-Bahn-Zug aus der Schweiz, der zur Zeit angepasst wird und in Kürze als Verstärkung auf der Rittnerbahn eingesetzt werden wird.

Der Rittner Bürgermeister Paul Lintner fühlt sich ebenfalls der sanften Mobilität verpflichtet, wie er betonte und es würden Maßnahmen in diese Richtung gesetzt, wie Reduzierung des Individualverkehr, und die gezielte Förderung des Radfahrens und des Öffentlichen Personennahverkehrs. Wenn man bedenkt, dass man in den 80 Jahren auch die Reststrecke zwischen Maria Himmelfahrt und Klobenstein auflassen wollte, so freue er sich heute besonders über die Erhaltung und die Aufwertung der Rittnerbahn. Das sei nur wackeren Personen vom Rittnerbahnkomitee zu verdanken, wie Markus Untermarzoner und Christoph von Tschurtschenthaler. Heute sei hier dieser Bahnhofsplatz ein Beispiel für eine gute Symbiose von Stadt und Bergregion. Hier treffen historischer Flair und moderner Fahrkomfort, malerische Landschaft und traumhafte Bergkulisse und ergeben eine geniale Mischung. Die Rittnerbahn diene aber nicht nur dem Fremdenverkehr, sondern werde zusehends auch zum Verkehrsmittel für die Rittner Pendler. Heute jedenfalls wolle niemand mehr auf das Rittnerbahnl verzichten.

Walter Weiss, Präsident des Vereins, lobte in seiner kurzen humorvollen Ansprache jene Politiker, die damals gegen den Trend sich für die Bahn eingesetzt hätten. So hätte auch Luis Durnwalder für einen Ausbau der Eisenbahn gewonnen werden. Aber richtg losgegangen sei es mit Landesrat Thomas Widmann, mit dem sich drei Begriffe verbinden: Südtirolbahn - Südtiroltakt - Südtirolpass!. Er begrüßte auch Herrn David Kehrer, Betriebsleiter der Kärntner Gailtalbahn. Dort gibt es auf einem Abschnitt zur Zeit Draisinenverkehr mit dem Ziel, auf Vereinsbasis wieder Züge fahren zu lassen.

Thomas Widmann, Ex-Landesrat und Präsident des Landtages war wegen seiner Verdienste um die Rittnerbahn eingeladen worden. In seinem Statement blickte er auf seine Jugend zurück, wo nur das Auto gezählt habe. Erst allmählich sei er ein Freund der Eisenbahn geworden, nicht ohne Einfluss von Walter Weiss, der in der ersten Zeit oft bei ihm vorstellig geworden sei. Er bedankte sich bei jenen, die sich mit Mut und Entschlossenheit für die Anliegen der sanften Mobilität einsetzen und erwähnte dabei auch den Betriebsleiter der Rittnerbahn, Klaus Kofler. Der Bahnhof Oberbozen sei zu einem der meistfrequentierten Bahnhöfe (nach Bozen, Meran, Brixen) aufgestiegen.

Joachim Dejaco von der Südtiroler Transportstrukturen AG verwies auf die lange Geschichte hin: 111 Jahre schon gibt es die Rittnerbahn, 10 Jahre die Rittnerseilbahn. Hier auf diesem Platze würde sich Alt mit Neu verbinden. Er verwies auch darauf, dass die Neugestaltung des Platzes anfänglich durchaus auch umstritten war.

Es gab noch mehrere Rednerinnen und Redner, z.B. Edith Schweigkofler, Referentin für Mobilität, Kurt Prast, Ortsobmann von Oberbozen und Patrik Pedó vom Architekturstudios Monovolume in Bozen, der gestaltende Architekt. Er betonte, dass er dem "Platz Platz geben hatte wollen". Daher auch die großräumige Fläche, die auch für Veranstaltungen genutzt werden kann und für den zukünfigten Bauernmarkt. Die Leiterin des Tourismusbüros brachte es auf den Punkt: "Es ist ein Platz entstanden, wo wir uns gerne aufhalten."

Mit der Aktion "Bahnhof des Jahres" erzielt der Verein Freunde der Eisenbahn einen großen Effekt, denn auch die Reaktion der Medien war sehr groß.

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