Volksfest in Schluderns: Bahnhof des Jahres 2015 und Güterschuppen für die Jugend (13.6.15)

Arthur Scheidle (der Jury "Bahnhof des Jahres"), Luis Frank (Bürgermeister von Glurns), Gemeindereferentin Romina Eberhöfer, Rag. Marco Cagol (STA), Erwin Wegmann (Bürgermeister Schluderns), Michael Ganthaler (Südtiroler Pfadfinderschaft), Walter Weiss (Präsident Verein Freunde der Eisenbahn). Foto: Verein der Eisenbahnfreunde
15.06.2015

Großen Zulauf gab es am 13. Juni 2015 am Bahnhof Schluderns zur Feier eines Doppelfestes: Schluderns wurde vom Verein Freunde der Eisenbahn zum Bahnhof des Jahres 2015 auserkoren und der ehemalige Güterschuppen wurde zu einem Stützpunkt für die Südtiroler Pfadfinderschaft.

Der Festtag begann mit einer Feldmesse und der Eröffnung einer Foto-Ausstellung im Wartesaal. Im Rahmen eines "Bohnhoufshoangrt" (zu deutsch: Zusammensitzen und Plaudern) wurden Geschichten rund um den Bahnhof erzählt. Die Bäuerinnen und die Freiwillige Feuerwehr, der Imbissstand Bahnhof und die Musikkapellen von Schluderns und der Stadt Glurns, sowie die Grundschüler von Schluderns (letztere mit Zeichnungen), trugen zum Gelingen des Festes tüchtig bei.

Die beiden Bürgermeister, Erwin Wegmann von Schluderns und Luis Frank von Glurns wiesen auf die Bedeutung der Bahn für die Region hin. Glurns habe zwar keinen eigenen Bahnhof, sei aber durch den Citybus bestens an die Bahn angeschlossen und der Bahnhof trage auch die Bezeichnung "Schluderns - Glurns". Besonderen Dank gab es für den Präsidenten des Vereins Freunde der Eisenbahn, Walter Weiss und für das Vorstandsmitglied Arthur Scheidle, dem Vorsitzenden der Jury "Bahnhof des Jahres".

Landeshauptmannstellvertreter Richard Theiner vertrat den Mobilitätslandesrat Mussner und überbrachte die Glückwünsche der Landesregierung. In seiner Ansprache erwähnte er die Prioritäten der Verkehrspolitik: Elektrifizierung und Aufwertung der Vinschgaubahn, Übernahme und Beschleunigung der Strecke Bozen - Meran (schnelle Erreichbarkeit der Landeshauptstadt und umgekehrt des Vinschgaus von dort). Auch an den Ausbau der internationalen Verbindungen werde gedacht: für die Anbindung der Vinschgerbahn an das Netz der rhätischen Bahn müssten jetzt dieTrassen gesichert werden und es gäbe auch ernstzunehmende Bestrebungen, das Veltlin mit dem Münstertal und Mals zu verbinden.

Walter Weiss betonte die Wichtigkeit der Gemeinden für die Pflege der Bahnhöfe, was hier mustergültig geschehe. Mehr als zwei Drittel der Bürgermeister seien auch Mitglied des Vereins und hätten sich damit besonders der Förderung der Bahn verschrieben. Der Bahnhof sei nun mal das Tor zum Dorf und ein Aushängeschild. Er wies auch auf die geplante Elektrifizierung der Vinschgerbahn hin, für deren Umsetzung er sich nach Kräften einsetzen werde.

Bereits zum dritten Male vergebe der Verein nun die Auszeichnung "Bahnhof des Jahres". Die Vorgängerbahnhöfe waren Niederdorf an der Pustertalerlinie und Marling an der Vinschgaubahn im Burggrafenamt.

Der Juryvorsitzende Dr. Arthur Scheidle erwähnte in seiner kurzen Ansprache, dass in Südtirol durchaus Fortschritte im Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs gemacht worden seien, wenngleich aber Vergleiche mit dem Ausland ergeben, dass noch Nachholbedarf besteht. Kürzlich habe der Verein eine Exkursion mit der Arlbergbahn und der Montafonerbahn gemacht. Dabei konnten die Mitglieder beobachten, wie an einem Bahnhof wie Landeck einfach alles stimme: durchdachte Informationssysteme, Reisezentrum, Gastronomie, Aufzüge, gepflegte Bahnsteige usw. So einen Standard würden wir uns auch für Südtirol wünschen. Es sei daher forciert - so Scheidle - an der weiteren Aufwertung der Bahnhöfe zu arbeiten, aber auch die Riggertalschleife (eine schnelle Verbindung vom Pusterttal nach Bozen) sei ebenso wichtig wie die geplante Aufwertung der Achse Bozen - Mals.

Scheidle begründete dann die Auswahl von Schluderns für die Auszeichnung "Bahnhof des Jahres 2015" und das wären in der Hauptsache: die gute Vernetzung mit anderen Mobiltätssystemen (Busanbindungen in alle Richtungen, - vom City-Bus war oben schon die Rede - , gute Einbindung des Fahrradweges ohne Kreuzung der Bahn mittels Unterführung), die Imbissstube auf dem Bahnhofsgelände, die Park & Ride-Plätze, die gepflegten Räumlichkeiten (z.B. Wartesaal), das schöne äußere Erscheinungsbild der Baulichkeiten, die bunten Blumenbeete, die drei "Pala-Pir-Bäume" (es handelt sich dabei um eine autochtone Birnen-Sorte) usw.

Natürlich sei die Neubestimmung des Güterschuppens, der nun den Südtiroler Pfadfindern und im weiteren Sinne der Südtiroler Jugend als Stützpunkt für Erkundungen des Obervinschgau dienen wird, ein ganz besonderer Pluspunkt, so Scheidle.

Einiges ist gar nicht in die Bewertung mit eingeflossen, wie z.B. die neuen Stelen mit Hinweisen für die ankommenden Gäste, was sie im Dorfe an Interessantem und Kulturellen erwartet und wie man da hinkommt. Sehr zur Nachahmung für andere Gemeinden mit Bahnhöfen empfohlen! Und Schluderns hat nun wirklich viel zu bieten: die Churburg, das Vinschger-Museum, die Waalwege, das Biotop Schludernser Au, archäologische Grabungen am Ganglegg, die Ritterspiele ... Und der Obervinschgau war einmal auch die Kornkammer des Vinschgau, darauf verweist ein Kornfeld auf dem Bahnhofsvorfeld (die Saat muss allerdings erst noch aufgehen). Organisiert hat das alles - in Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinen und Verbänden im Dorf - die Gemeinderefentin  Romina Eberhöfer.

Dass der Bahnhof sich so mustergültig präsentiert, hat natürlich auch seine Gründe. So gibt es einen besonders "guten Geist", Frau Gabi Obwegeser, die im Bahnhof wohnt, der der Bahnhof ein persönliches Anliegen ist und die drauf schaut, das alles in Ordnung ist. Ein Beweis, wie wichtig es ist, dass Bahnhöfe bewohnt sind. Frau Obwegeser hat uns dankenswerterweise einige interessante Fotos aus der Ausstellung zur Verfügung gestellt (siehe unten).

Im weiteren Verlauf des Festes stand die Entstehungsgeschichte des Jugendstützpunktes im Güterschuppen auf dem Programm und dazu gab es mehrere kurze Reden, unter anderem auch von Landesrat Philipp Achammer. Der Güterschuppen dient nun als Gruppenraum, Spielfläche, Schlafplatz und Küche, wie Pfadfinderleiter Michael Ganthaler ausführte. Architekt Siegfried Tappeiner erläuterte sein Konzept, Neues in Altes einzufügen: das Äußere, denkmalgeschützte sei geblieben und im inneren befinden sich nun drei funktionelle Kuben.

Nutznießer werden nicht nur Kinder und Jugendliche vor Ort sein, sondern auch welche, die zur Erkundung der Region von auswärts kommen. Was kann man sich Schöneres für einen ehemaligen Güterschuppen wünschen! Der Verein Freunde der Eisenbahn jedenfalls beglückwünscht die Südtiroler Pfadfinder zu dieser Errungenschaft.

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