Weltkulturerbe "Albula-Bahn"

Herrliche Ausblicke vom Zug der Rhätischen Bahn aus auf der Albula-Strecke
04.06.2017

Der Verein Freunde der Eisenbahn bietet den Mitgliedern jedes Jahr eine Fahrt mit Bahnen der Nachbarregionen. Dieses Mal war wieder einmal die Rhätische Bahn auf dem Programm. Als Tagesauslfug ist eine interessante Rundfahrt möglich: Mals - Zernez (mit Postauto) - Samaden - Bergün - Filisur - Davos - Klosters - Sagliains - Zernez - Mals.

Die Rhätische Bahn ist eine Schmalspurbahn (Spurweite 1 Meter) und daher können die Gleisradiusse enger sein. Eine sehr kurvenreiche Streckenführung ist aher möglich. Wir durchfuhren das Teilstück von Samaden bis Filisur.

Begleitet wurde die Reise von Dipl.-Ing. Paul Stopper, Schweizer Bahnexperte und ein treues Mitglied unseres Vereins mit besonderen Verdiensten um das Propagieren einer Bahnverbindung Schweiz-Südtirol. Bei jeder Schweizfahrt unterstützt er uns organisatorisch und gibt uns wertvolle Erklärungen.

Der Bahnhof Zernez, an dem die Bahnreise begann, ist ein Vorzeige-Bahnhof und ein richtiges Mobilitätszentrum. Es sind nur wenige Schritte vom Bus zur Bahn, es gibt einen Schalter, an dem man gut beraten und bedient wird und es liegen Informationsschriften auf, mit vielfältigen interessanten Angeboten. Die Rhätische Bahn bietet Sonderfahrten, Erlebniszüge, Dampf- und Nostalgiefahrten, Führerstandsfahrten, Fahrten mit der Dampfschneeschleuder, Wanderungen auf Bahnerlebniswegen, Fahrten mit Pullmanwagen, Fahrten mit offenen Panoramawagen, spezielle Kindererlbenisprogramme usw. Im Marketing sind wirklich tüchtige Leute mit Einfallsreichtum am Werke. Reisegruppen werden auch besonders gut bedient. Ein extra angefertigtes Zuglaufschild am Waggon weist auf die reservierten Plätze hin.

Gleich zwei kostenlose Zeitschriften liegen aus, "Contura - das Magazin der Rhätischen Bahn" und "Die Bündner Kulturbahn", die das historische Erbe der Rhätischen Bahn zum Thema hat. Erstaunlich, was da an Kundeninformation entwickelt wurde und besonders schmerzlich fällt der Vergleich mit Südtirol aus, wo es praktisch nichts Vergleichbares gibt. Zumindest eine so tolle kostenlose Erlebnisbahnlandkarte wie die der Rhätischen Bahn würde man sich für Südtirol wünschen. Das würden unsere Feriengäste sicher schätzen - und nicht nur.

Am Bahnhof Zernez (und vielen anderen Bahnhöfen der Rhätischen Bahn) gibt es erfreulicherweise auch noch Güterverkehr, der aus Südtirol leider ganz verschwunden ist (es gibt nur mehr Transitverkehr) und wie in allen größeren Bahnhöfen gibt es noch eine Rangierlok. Die Güterwagen werden oft auch an Personenzüge angekoppelt und kommen so schnell ans Ziel.

Die "kleine Rote", wie die Rhätische Bahn auch genannt bringt, bringt uns zunächst durch das Oberengadin nach Samaden. An diesem Knoten hat die Rhätische Bahn vor kurzem eine architektonisch schön gestaltete Holzhalle für ihre historischen Fahrzeuge eingeweiht.

Die 133 km lange Strecke von Tirano nach Thusis ist UNESCO Kulturerbe. Wir befahren ein Teilstück der Albula-Bahn, zunächst von  von Bever nach Bergün.. Zwei legendäre Züge, der "Glacier-Express" und der "Bernina-Express" benutzen diese Linie.

Zunächst fahren wir an einer riesigen Baustelle vorbei, Es handelt sich um den Neubau des ca. 6 km langen Albulatunnels, der parallel zum alten, 115 Jahr alten, entsteht. Über die Bauarbeiten informiert die "Infoarena Albulatunnel "in Preda. 2021 soll er fertig sein.

Um die Höhendifferenz von 417 Metern zwischen Bergün und Preda – bei nur 6,5 Kilometern Luftlinie – zu überwinden, wurde die Strecke durch Kunstbauten auf zwölf Kilometer verlängert. Wir durchfahren drei Spiraltunnel, zwei Kehrtunnel und vier talüberquerende Viadukte.

In Bergün besuchten wir das Albula-Bahnmuseum. Es zeigt die Geschichte der Rhätischen Bahn und die damit verbundene Entwicklung im Albulatal. Es gibt dort in der Eingangshalle auch ein Restaurant, in dem wir unser Mittagessen einnahmen.

Wir wurden von einem kundigen "Veteranen" durch das Musem geführt, die mit 1.300 m2 Ausstellungsflächer viel größer und reichhaltiger ist als erwartet.  Nach neuesten museumspädagogischen Grundsätzen wird die Geschichte der Bahn auch mit aufwändigen multmedialen Installationen vermittelt.

In der Wechselausstellung sieht man derzeite tolle Exponate und Bilder zum Thema "Bergbahnen der Schweiz". Auch eine liebevoll aufgebaute Modelleisenbahn, die eine ganze Halle ausfüllt, begeistert die Besucher.

Vor dem Museum steht die urtümliche Lokomotive "Krokodil Nr. 407". Im Führerstand ist ein Simulator, mit dem man eine virtuelle Fahrt auf der Albulalinie unternehmen kann. Dafür hatten wir aber keine Zeit.

Ein besonderes Angebot der Rhätischen Bahn im Winter gibt es von Bergün aus, die sog. Schlittelzüge. Die Rodler werden mit Sonderzügen nach Preda hoch gebracht und können auf der im Winter gesperrten Albulabergstraße 6 km weit bis nach Bergün runterfahren.

Die nächste Etappe führte uns nach Filisur und dann nach Davos. Dabei überfuhren wir das höchste Viadukt der Rhätischen Bahn, das Wiesner-Viadukt. Ich habe ein offenes Fenster im Vestibül des Waggons und konnte direkt die 89 Meter bis auf den Grund der Schlucht hinuntersehen. Schwindelerregend!

Die Bahn Davos - Landquart war die erste Linie in Graubünden. Steil geht es vor Klosters bergab, die Steigung ist bei 45 Promille. In den zwei Kehrtunneln wechseln wir jeweils die Richtung.

Ein immer wieder Respekt abringendes Bauwerk ist der 19 km Vereinatunnel aus dem Jahre 1999, der das Oberengadin (und auch Südtirol) bahnmäßig näher an die Zentralschweiz bringt. Diesen durchfahren wir und nach erneutem Umsteigen in Sagliains kommen wir wieder zum Postautobus in Zernez.

Über den Ofenpass kommen wir mit dem Schweizer Postauto nach Mals. Der Vinschgerzug bringt uns nach Hause. An der Strecke sieht man die in Angriff genommenen Bauarbeiten im Zuge der Elektrifizierung, ein Zeichen, dass man auch in Südtirol stärker auf die Bahn setzen will. Es wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis auch wir im Bahnverkehr "Schweizer Verhältnisse" haben werden.

 

 

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