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22. Jahresversammlung (Burgstall 26.1.23)
Die 22. Jahresvollversammlung des Vereins Freunde der Eisenbahn ist am Donnerstag, 26. Jänner erfolgreich über die Bühne gegangen.
Das Treffen ist die wichtigste Veranstaltung im Jahresverlauf. Diesmal stellte die Gemeinde Burgstall den Kindergartensaal zur Verfügung.
Präsident Dr. Walter Weiss konnte eine stattliche Anzahl von Mitgliedern begrüßen. Entschuldigen ließ sich der Landeshauptmann Arno Kompatscher (war in Wien bei der Angelobung der Präsidenten van der Bellen), an seiner Stelle referierte der Direktor des Ressorts Mobiliät, Martin Vallazza. Besondere Grüße entbot der Präsident den Vorstandsmitgliedern und den freiwilligen Helfern. Unter den Gästen befand sich auch HGV-Präsident Manfred Pinzger, Bezirkspräsident Luis Kröll und der Datenexperte Bernd Geppert aus Frankfurt/Main. Der Bürgermeister von Burgstall Othmar Unterkofler als Gastgeber nahm mit Vizebürgermeisterin Helene Amort und Referentin Tanja Nart ebenfalls an der Sitzung teil. Der Präsident gedachte auch der Mitglieder, die im letzten Jahr verstorben sind.
Walter Weiss konnte auch für 2022 vermelden, dass der "Erlebnisbahnhof Schnalsthal" sich weiterhin großen Zuspruchs erfreut: er sei ein Erlebnis für die gesamte Familie. Details sind im Tätigkeitsbericht weiter unten einsehbar.
Vorstandsmitglied Alois Vent stellte die Bilanzdaten 2022 dar. Die finanzielle Situation ist erfreulich. Die aufgeschlüsselten Daten sind weiter unten abrufbar. Die Revisoren empfahlen die Entlastung des Vorstandes, was prompt und einstimmig erfolgte. Alois Vent hat auch die Sitzung vorbereitet, wofür Walter Weiss ihm besonders dankte.
Zwei Fachvorträge standen auf der Tagesordnung: "Neues zur Mobilität" (Martin Vallazza) und "Das neue Ticketingsystem" (Patrick Dejaco). Anschließend stellte Arthur Scheidle (Vizepräsident und Leiter der Jury) den "Bahnhof des Jahres 2023" vor.
Es begann der Direktor des Ressorts Mobilität Martin Vallazza.
Ausgehend vom Landesplan für nachhaltige Mobilität 2022-2035 erläuterte er die die laufenden und geplanten Vorhaben in Sache Bahnmobilität in Südtirol.
Folgende Infrastrukturprojekte sind in Umsetzung: Elektrifizierung Vinschgaubahn, Riggertalschleife, Haltestelle St. Jakob bei Bozen, BBT Baulos Zufahrtsstrecke Franzensfeste-Waidbruck. Die Mobiliätszentren Brixen und Bruneck sind in Fertigstellung. Zukünftige Projekte sind: Ausbau Meran-Bozen, Güterzugmfahrung Bozen, Zulaufstrecke BBT Unterland (nun in Bauleitplänen der Gemeinden), Ausbau Pustertalbahn, Mobilitätszentren Meran und Innichen. [Der Neubau des Bahnhofs Bozen wurde nicht angesprochen].
Anhand von Fahrplangrafiken zeigte Vallazza die geplanten Beschleunigungen und Verdichtungen der Bahnverbindungen. Direkte Züge Mals-Lienz und Mals-Innsbruck in rascher Folge werden in Zukunft Standard sein und zumindest unter der Woche sind 15-Minuten-Intervalle auf den Hauptverkehrslinien angestrebt.
Was den BBT anbelangt, so sind wir in Südtirol schon weiter, wegen verschiederer bürokratischer Schwierigkeiten sind die Österreicher aber im Verzug.
Was die Vinschgaubahn anbelangt, so besteht die Aussicht, dass der Josefsberg-Tunnel Ende dieses Jahres wieder in Betrieb gehen kann, so würde der lästige Umstieg auf Bus für die Teilstrecke Meran-Töll dann Geschichte sein wird. Derzeit wird das europäische Signalsystem ERTMS installiert, Masten und Oberleitung sollen Herbst 2024 stehen. [Ein Ausbau der Vinschgerbahn mit zusätzlichen Überholgeleisen (um Expresszüge zu ermöglichen) ist in den Planungen offenbar nicht vorgesehen].
Besonderes Interesse im Publikum erweckten natürlich die Informationen zum geplanten Ausbau der Strecke Meran-Bozen. Vorgesehen sind Begradigungen und ein tast gänzlicher zweigleisiger Ausbau, um mit höherer Geschwindigkeit fahren zu können und um zeitsparende Kreuzungen auf offener Strecke zu ermöglichen. Das bedingt unter anderem auch die Verlegung des Bahnhofes Terlan. Vallazza präsentierte eine Berechnung der dafür nötigen zusätzlichen Grundfläche (ca. 15 ha). Es wurde ein sog. "technischer Tisch" eingerichtet, um zeitnah alle Bauvorhaben mit den direkt Betroffenen zu kommunizieren. Die Bauern im Etschtal wurden nämlich kürzlich irritiert, weil RFI offenbar aus heiterem Himmelauf ihren Gründen Lokalaugenscheine und Messungen durchgeführt haben.
Eine zentrale Rolle spielen auch die neuen Züge, die 2025 einsatzfähig sein sollen.
Es wurde nun entschieden, insgesamt 16 Einheiten des Typus Coradia Stream des Bahnbauers Alstom zu beziehen [nachdem die Beschaffung von Talent3-Zügen gescheitert ist]. Zur Zeit sind die Züge in der Fabrik in Savigliano (Piemont) in Planung, in der Folge werden die einzelnen Komponenten zusammengebaut: 2024 sollen dann die umfangreichen Tests starten, unter anderem im Testzentrum Velim in Tschechien. Die Züge sollen ja mit 3 unterschiedlichen Strom- und Sicherungssytemen (RFI, ÖBB und Vinschgerbahn) ausgerüstet werden.
Wenn alle diese Maßnahmen umgesetzt sind, erwartet man einen beachtlichen Zuwachs an Fahrgästen, was die Grafik "Fahrgäste nach Abschnitten" deutlich macht (Folie 24 in der Präsentation, siehe unten).
Patrick Dejaco (Bereichsleiter Information Systems, STA) informierte uns über "Das neue Ticketingsytem".
Schon seit Jahren arbeitet die STA intensiv an der digitalen Integration der Betriebsdaten aller Akteure im Mobilitätsbereich in Südtirol und ist nun an einem entscheidenden Punkt angelangt: alle Daten werden jetzt in Echtzeit an einem zentralen Ort zusammengeführt und dienen zur Steuerung und Überwachung des Betriebs und der Fahrgastinformation. Für den Fahrgast am sichtbarsten wird das neue Ticketsystem sein, das heuer Schritt für Schritt "ausgerollt" wird. Die Fahrkarten mit Magnetstreifen haben nach 30 Jahren ausgedient, es kommt ein gänzlich neues digitales System. In der Architektur ist man da unter den Spitzenreitern in Europa. Lassen wir die Zahlen sprechen: ca. 240.000 Südtiroler besitzen ein Abo (die Hälfte der Bevölkerung!), 47 Millionen Fahrplankilometer an ÖPNV weren jährlich angeobeten, 54 Mio Fahrgäste nehmen davon Gebrauch, mehr als 720 Fahrzeuge (Busse und Züge) sind im Einsatz und es gibt nicht weniger als 2.700 Kontrollpunkte (Entwerter). Ein großer Erfolg ist seit 2020 Website und App "südtirolmobil" mit Anzeigen in Echtzeit, Auslastungsprognosen und der Möglichkeit, sich spezielle Infos (z.B. über Störungen auf der Stammlinie) zuschicken lassen zu können. Die Variante "Linking Alps" gibt zudem Auskunft über Verbindungen im Alpenraum über Südtirol hinaus. Das neue Ticketsystem, welches die Fa. Scheidt&Bachmann aus Deutschland implementiert, wird in Zukunft viele neue Möglichkeiten wie neue Bezahlformen und umfassende Information für den Fahrgast beiten. So sind z.B: Fahrscheine neu nicht nur über Automaten und Verkaufsstellen, sondern auch über die App zu erhalten. In Zukunft werden auch Zusatzleistunge wie die Miete von Fahrradboxen über die App abrechenbar sein. Alle Ticketautomaten an Standorten und in Bussen werden im Laufe des Jahres mit Geräten der neuesten Technologie ersetzt. Ende 2024 - so Patrick Dejaco - soll das System nach schrittweiser Einführung - in vollem Umfange zur Verfügung stehen.
Arthur Scheidle (Vizepräsident und Leiter Jury "Bahnhof des Jahres" zum Thema:
Mittlerweile wird diese Auszeichnung schon zum 11. Male vergeben. Als Kriterien für die Auswahl gelten: Sauberkeit, Fahrgastinformatione, Integration mit dem Ort, Vernetzung mit anderen Verkehrsmodalitäten und Orientierungshilfen.
Nun wurde klar, dass die Gastgebergemeinde Burgstall auch die Auszeichnung für den Bahnhof "Lana-Burgstall" bekommen sollte. Besonders hervorsticht bei Burgstall-Lana die schön renovierte und gut bewirtschaftete Bahnhofsbar "kam 23", weiters die Integration der historischen Bahnbrücke und Elektro-Lokomotive der ehemaligen Lokalbahn Burgstall-Lana, weiters die gute Anbindung an die umliegenden Dörfer und die Radwege nach Lana und Meran/Bozen. Arthur Scheidle nahm die Gelegenheit wahr, auch auf Negativbeispiele hinzuweisen, wie z.B. die schlecht geführte Bar am Bahnhof Untermais oder die skandalöse Ruine des ehemaligen Bahnbetriebswerkes in Meran.
Präsident Walter Weiss gab dann anschließend einen kurzen Ausblick auf die 2023 geplanten Vereinsvorhaben. Details finden Sie im "Tätigkeitsbericht 2022 und Tätigkeitsvorschau 2023" weiter unten. Als "große Reise" ist für Mai eine Bahntour durch Schottland ausgeschrieben (Programm auch weiter unten), für die es noch einige Restplätze gibt.
Diskussion:
Ein Mitglied regte an, die Situation am Bahnhof Sigmundskron genauer zu analysieren und die Gründe für die häufigen Verspätungen, die an diesem Bahnhof entstehen, zu beheben. Vielleicht könne man mit solchen Verbesserungen auch auf einen zweigleisigen Ausbau der Strecke Meran-Bozen verzichten, so das Mitglied.
Martin Vallazza antwortete darauf: Ein wichtiger Meilenstein wird der Virgl-Tunnel sein , der eine von der Brennerlinie unabhängige Einfahrt in den Bahnhof Bozen ermöglichen wird und für mehr Fahrplanstablität sorgen wird Geplante Inbetriebnahme: 2027.
Burgstalls Bürgermeister Otnmar Unterkofler dankte für die Anerkennung duch Verleihung der Auszeichnung "Bahnhof des Jahres" durch den Verein Freunde der Eisenbahn und lud für den 10. Juni 2023 zur feierlichen Übergabe der Plakette am Bahnhof ein. Er erzählte auch, wieviel Finzierungskünste es gebraucht hat, um die Errichtung der Bahnhofsbar "km 23" zu erreichen. Auc die Wahl derzeitigen Pächterin erwies sich alsrichtig, sie ist nämlich als sehr tüchtig. Er machte geltend, dass alle Betroffenen über die geplanten Vorhaben bei der Auslegung des zweiten Gleises rechtzeitig informiert und in die Umsetzung mit eingebunden werden möchten und befürwortet den "technischen Tisch", der zum Zwecke des Informationsaustausches zwischen den Bürgermeistern des betroffenen Teiles des Etschtales und den Akteueren STA, RFI und Landesämtern eingerichtet worden ist.
Walter Weiss mahnte in dem Zusammenhang, dass man mmer das Ziel im Auge haben müsse und das sei nun mal die Beschleunigung der Bozen-Meraner Bahn, damit sie attraktiver wird. Und dazu braucht es ein zweites Gleis. Es darf nicht so weit kommen, dass Einzelne Einzelinteressen vor das Gemeinwohl stellen [sinngemäß] und nur verhindern, weiters müssten die Gutachten der Techniker unbedingt respektiert werdem.
Anschließend gab es noch ein geselliges Beisammensein mit Getränken und Imbissen, wobei noch lange und intensiv mit den Referenten und untereinander über Mobilitätsfragen diskutiert wurde. Für die Bewirtung sorgten die Mitglieder Erika Weiss und Ivonne Stimpfl .




