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Die 19. Jahresversammlung des Vereins Freunde der Eisenbahn, Terlan, 16.1.2020
Im Bild: Von r. n. l.: S.Tutzer (Vorstandsmitglied), K. Bernhard (BM Prad), L. Fabi (GWR, Genossenschaft f. Weiterbildung und Regionalentwicklung, Spondinig), K. Runer (BM Terlan, im Hintergrund), A. Scheidle (Vorstandsmitglied, Jury "Bahnhof des Jahres", B-F. Geppert (Datenexperte), J. Dejaco (STA-Direktor), W. Weiss (Präsident), A. Kompatscher (Landeshauptmann), F. Mair (Vorstandsmitglied, Schriftführerin), Z. Christanell (Mitglied), P. Stopper (Verkehrsexperte Schweiz), A. Pichler (Vorstandsmitglied). Foto: Verein Freunde der Eisenbahn.
Wer geglaubt hat, nach Terlan würden nicht so viele Mitglieder kommen wie früher nach Staben, der wurde eines besseren belehrt. Der Raiffeisensaal war voll, es kamen über 100 Mitglieder.
Präsident Walter Weiss führte wie gewohnt mit Enthusiasmus durch den Abend.
Die einzelnen Punkte:
1. Tätigkeitsbericht 2019
Es war durchwegs wieder ein sehr erfolgreiches Jahr. Die Mitgliederanzahl ist gestiegen, der Erlebnisbahnhof hatte mehr als 2.600 Besucher, es gab 20 ehrenamtliche Helfer, die eine Vielzahl von ehrenamtlichen Stunden geleistet haben. An Initiativen für die Förderung der Eisenbahn ist Südtirol gab es reichlich: Aussprachen mit dem Direktor der STA, oder einen der traditionellen "runden Tische" zur Erörterung von Mobilitätsfragen mit Lokalpolititkern und Verantwortungsträgern (letzter am 20.11. In Naturns für Burggrafenamt und Vinschgau) und vieles mehr..
An Tagesbahnfahrten gab es jene auf der Nonstalbahn, jene nach Vintl ins Pustertal und die 13-tägige Fernreise führte in die Kaukasusregion. Herbert Kaserer zeigte anhand einiger Dias das Konzept der Fernreisen.
Die ganze Diashow unten.
2. Jahresabschlussrechnung 2019
Die finanzielle Situation ist laut Kassier Luis Vent sehr gut, was er mit der Präsentation der Jahresabschlussrechung demonstrierte. Die Rechnungsprüfer Urban Rinner und Helmuth Pircher bescheinigten korrektes Vorgehen und der Kassier wurde einstimmig entlastet.
Details im Bericht weiter unten.
3. Referat des Landeshauptmanns Dr. Arno Kompatscher: Die Eisenbahn, wichtige Voraussetzung für eine gute Erreichbarkeit in Südtirol.
Der Landeshauptman sprach frei.
Er betonte, dass die Eisenbahn das Rückgrat des Öffentlichen Verkehrs in Südtirol sei und dies in Zukunft noch stärker sein werde.
Gerade jetzt, wo die Pustertalerlinie im oberen Abschnitt wegen der Umweltschäden länger nicht befahrbar ist, merke man wie sehr die Bahn gebraucht wird.
Er verwies auf die neuen Zugangebote, die seit Fahrplanwechsel Südtirol besser anbinden, einmal den neuen Railjet nach Wien und die neue Frecciarossa nach Mailand.
Beide Züge haben noch nicht eine optimale Fahrplanlage, für den Zug nach Mailand wurde bereits eine frühere Abfahrt in Bozen und eine spätere Rückkehr aus Mailand vereinbart, was den Zug attraktiver machen wird.
Der Landeshauptmann verwies auf die Verträge mit dem Schienenbetreiber RFI, welche den Bau der Riggertalschleife, die Beschleunigung der Bahnlinie Bozen-Meran und den Bau des Virgltunnels in Bozen ermöglichen. Letzterer würde eine unabhängige Einfahrt der Meraner Züge nach Bozen erlauben und somit die Kapazität der Strecke steigern.
In Zukunft wird es südtirolweit während der Werktage einen Halbstundentakt geben, in den Spitzenzeiten wird es alle 15 Minuten einen Zug geben.
Die Vertaktung der Bahn mit dem Bussystem werde immer besser und so gelange man ohne lange Umsteigzeiten von den Bahnhöfen in die hintersten Täler.
Mit dem Nordtiroler Landeshauptmann Plattner sei er im Gespräch, die Linie Brixen - Innsbruck über den Brenner auszubauen. Da müsse Nordtirol auch geldmäßig mitziehen.
Die beiden Großprojekte sind der BBT und der Neubau des Bahnhofes Bozen. Bei letzterem sind bereits alle Weichen gestellt.
Was den Güterverkehr betrifft, so ist beim LKW-Verkehr mehr auf die Kostenwahrheit zu schauen und die Umweltbelastung mit zu kalkulieren. Daher plädiere er für einheitliche und erhöhte Mautgebühren auf der ganzen Brennerautobahn, von Modena bis Kufstein. In Zukunft werden auch die Häfen an der Adria eine größere Rolle spielen, da sind die Eisenbahnen besonders als Alternative zum LKW-Verkehr gefragt.
Für die Entwicklung des Öffentlichen Nahverkehrs tut das Land also sehr viel. Derzeit wird die Vinschgaubahn elektrifiziert und 7 neue Züge sind bestellt. Aber nicht nur bei der Bahn wird investiert, auch die Busflotte wird erneuert, es wird mit umweltfreundlichen Wasserstoff gefahren.
Das Angebot an Moblität in Südtirol wird immer wieder angepasst und erweitert.
4. Kurzreferat des Generaldirektors der STA, Dr. Joachim Dejaco: Bozen-Meran und ins Überetsch.
Joachim Dejaco begann mit einem Rückblick auf das Tramprojekt Bozen, das leider aus politischen Gründen gescheitert ist.
Er stellte das Konzept des Metrobusses Bozen - Kaltern vor. An Werktagen fährt der Überetsch-Express, die Linie 131 nun in 15-Minuten-Folge, eingesetzt werden dabei 18m lange Gelenkbusse. Weiter nach Tramin, Kurtatsch und Neumarkt kommt man mit der neuen Linie 130. Der Metrobus werde sehr gut angenommen, 2019 nutzten ihn 1,1 Millionen Fahrgäste.
Thema ist dann das Fahrplankonzept 2023-2026, das mit der Elektrifizierung der Vinschgerbahn und der Riggertalschleife den Öffentlichen Nahverkehr revolutionieren wird. Ohne Umstieg wird man von Mals nach Lienz und Innsbruck kommen. Auf der Strecke Meran - Bozen sind Regionalexpresszüge mit weniger als 30 Minuten Fahrzeit vorgesehen. Das Vorprojekt für den Ausbau der Strecke Bozen - Meran sieht Begradigungen vor und die Erhöhung der Streckengeschwindigkeit auf max. 120 km/h. Allerdings würde dabei der Bahnhof von Terlan von der Dorfmitte an die Etsch verlegt. In Zukunft würden sich Regionalzüge mit Halt in allen Bahnhöfen mit Regionalexpresszügen abwechseln, welche dann eine sehr attraktive Fahrzeit unter 30 Minuten hätten und durchaus konkurrenzfähig zur Mebo wären. Letztere würden nur in Untermais und in Bozen Süd oder Sigmundskron halten.
Details siehe Präsentation weiter unten.
5. Kurzreferat des Dipl. Oec. Bernd-F. Geppert: Mobilität-Tourismus. Fakten und Denkanstöße für die Zukunft.
Auf sehr schwungvolle Weise und rhetorisch gekonnt gab Herr Geppert nun eine Reihe von Impulsen. Er nahm Bezug auf sein Referat vor 2 Jahren. Was hat sich inzwischen verändert? Apps und Daten-Plattformen nehmen zu, stillgelegte Bahnen werden reaktiviert, das Kundenkontaktmanagement wird ausgebaut, in Südtirol ist das Verkehrsangebot erweitert worden, das IDM hat eine neue Daten-Plattform, Tourismusregionen haben sich neu organisiert usw.
Der Tourismus wachse weltweit und damit auch der Flugverkehr. Er legte besonders Augenmerk sollte auf die sog. "bestager", also die Menschen ab 60, die zunehmend reisen und das außerhalb der Ferien. Immer noch kommen die allermeisten Feriengäste mit dem Auto. Die Zunahme des motorisierten Individualverkehrs sei problematisch, die Kapazität des Straßennetzes stoße an Grenzen und vor allem steige dadurch die Umwelt- und Klimabelastung.
Parkraum sei kostbar. Es brauche da mehr Information für den Aufbau eines Parkplatzmanagementsystems. Kostenpflichtiges Parken bei Naturschönheiten solle auch als Naturpflegebeitrag gesehen werden. Weitere Impulse: selbstfahrende Autos und Busse, Rufbusse und -taxis, Reiseführer für bestimmte "Eventlinien", Wiederbelebung des Auto-Reisezuges, Gestalten von Erlebnisbahnhöfen. Zusammenfassend: "Je öfter wir das Auto abstellen, desto mehr nimmt das Naturbewusstsein zu". Südtirol sei da ja auf gutem Wege.
Details siehe Präsentation weiter unten.
6. Arthur Scheidle: 8. Wettbewerb „Bahnhof des Jahres“ und
Bekanntgabe des Siegers.
Bahnhof des Jahres 2020 ist der Bahnhof Spondinig/Prad/Stilfs.
Scheidle begründete die Entscheidung folgendermaßen: das Gebäude sei grundsaniert worden, die neue Brücke über die Etsch schaffe einen direkten Zugang, es gäbe eine gute Verknüpfung mit dem Bussystem (jede Stunde ein Bus ins Ortlergebiet), eine gute Anbindung an den Vinschger Radweg und an die Vischger Staatsstraße, der Bahnhof beherberge ein Dienstleistungszentrum mit 6 kulturellen Institutionen, deren Tätigkeit das ganze Obervinschgau belebt. Es gäbe eine gute Beschilderung, die Sauberkeit sei vorbildlich. Der ehemalige Güterschuppen werde als Radverleih genutzt. Scheidle wies auch auf das Umfeld hin, dem traditionsreichen "Hotel Post" und dem Kriegerfriedhof des Ersten Weltkrieges.
Der Bürgermeister von Prad, Karl Bernhart bedankte sich herzlich für diese Ehrung. Die Gemeinde Prad habe einige Attraktionen, wie z.B. das Naherholungsgebiet Prader Sand, das vom Bahnhof nun aus leicht erreichbar sei, da eben letztes Jahr eine Fußgängerbrücke errichtet worden ist.
Die feierliche Vergabe des Schildes "Bahnhof des Jahres" findet am 9. Mai 2020 am Bahnhof Spondinig statt.
Der Bürgermeister von Terlan, Klaus Runer übermittelte Grußworte. Immerhin liegen in seriner Gemeinde gleich drei Bahnhöfe: Vilpian, Terlan und Siebeneich. Er gab zu bedenken, dass man bei der Sanierung doch oft länger brauche als gewünscht.
7. Diskussion und Termine 2020.
Ein Teilnehmer sprach die Renaissance der Nachtzüge in Europa an. Auch in Südtirol solle man sich Gedanken über die Wiedereinführung oder die bessere Nutzung der vorhandenen Verbindungen machen. In Europa verbreite sich die sog. "Flugscham" und werde abgelöst von einer Art "Zuglust".
2020 gibt es gleich drei Jubiläen:
02.05.20: 15 Jahre neue Vinschgaubahn
09.05.29: Bahnhof des Jahres (Spondinig)
29.07.20: 15 Jahre Erlebnisbahnhof Schnalstal
28.12.20: 20 Jahre Verein Freunde der Eisenbahn
An Fahrten sind geplant:
31.05.20 - 2.6.2020: 3-tägige Fahrt mit dem Glacier-Express in der Schweiz
29.08.20: Fahrt nach Mühlbach
Fernreise: in Ausarbeitung
Der Abend ging über in ein geselliges Beisammensein mit Buffet. Es wurde noch lange und intensiv über alle möglichen Fragen des Eisenbanwesens diskutiert.




