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Mitgliederversammlung am 18. Jänner 2018
Viele Mitglieder und zahlreiche Verantwortungsträger haben sich im Bürger- und Vereinssaal zur 17. Jahresversammlung
All diese Punkte wurden abgewickelt (Präsentationen und Fotos weiter unten)
1. Tätigkeitsbericht 2017: Präsident Walter Weiss gab einen Überblick über die sehr umfassende und vielschichtige Tätigkeit im vergangenen Jahr. Von diesen vielen Initiativen wurde auf dieser WEB-Site jeweils berichtet. Der Bericht ist unterteilt in 1. Organisation, 2. Initiatvien für die Eisenbahn und Mobilität 3. Jugend- und Erlebnisbahnhof Naturns am Bahnhof Schnalsthal 4. Information und Stellungnahmen zu Eisenbahnthemen.
Die Anzahl der Mitglieder ist auf 866 aktive gestiegen.
Es wurden einige Anpassungen organisatorischer Art am Vereinsstatut vorgenommen.
Vorgestellt wurde auch der Arbeits- und Terminplan für das laufende Jahr.
Immer wieder betonte Präsident Walter Weiss, dass man für die Realisierung von Bahnprojekten sich engangieren und aktiv kämpfen muss. An die Politiker appelllierte er mit dem Hinweis "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!" die angekündigten Vorhaben auch zügig umzusetzen.
2. Jahresabschlussrechnung 2017. Die Einnahmen im Jahre 2018 waren höher als die Ausgaben, so dass der Verein über ein solides Polster von ca. 9.000 € verfügt. Vorgetragen wurde der Bericht vom Kassier Luis Vent. Der Revisor Urban Rinner empfahl die Umstellung des Briefverkehrs auf E-Mail. Vorstand und Kassier wurden entlastet.
3. Referat LH Dr. Arno Kompatscher: Die Zukunft der Mobilität in Südtirol.
Der Landeshauptmann sprach großteils aus dem Stegreif. Die Bahn in Südtirol werde immer stärker genutzt, was sich in den Entwertungen an den Fahrscheinautomaten und an den Einnahmen zeige. Sie soll der Rückgrat der Mobilität werden. Drei große Ziele gelte es im Bereich Mobilität zu verwirklichen: 1. Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und Verkehrsverbesserung. Unter Verkehrsverlagerung ist in erster Linie die Verlagerung von der Straße auf die Schiene zu verstehen. Der kürzlich verabschiedete Landesmobilitätsplan habe das Ziel, dass 93% der Südtiroler in Zukunft es nicht weiter als 500 Meter zur nächsten Bus- oder Bahnstation haben werden. Diese Dienstleistung sollte auch der Landflucht entgegenwirken. Der Landeshauptmann präsentierte den Fahrplan der Zukunft, der Fahrzeitverkürzungen für das Pustertal und die Meran-Bozner-Bahn bringen werde, zudem höhere Zugfrequenzen und modernes Rollmaterial, für die Vinschgaubahn einen Taktverkehr und durchgehende elektrische Züge mit mehr Fahrgastkapazität bis Bozen und darüberhinaus. Die neue Vinschgaubahn solle laut Landeshauptmann ab 2020 fahren. Der BBT (Brennerbasistunnel) werde sowohl für Personen als auch Güterzüge gebaut und damit wird man in 40 Minuten von Franzensfeste nach Innsbruck und in 2 Stunden 40 Minuten zum Münchner Flughafen gelangen. Aufhorchen ließ der Landeshauptmann mit der Ankündigung, den darniederliegenden Bahngüterverkehr in Südtirol wieder aufbauen zu wollen. Die Bahnentwicklungsprojekte seien auch weitgehend finanziert und bereits in Ausarbeitung. Für seinen Einsatz erhielt der Landeshauptmann sehr viel Applaus.
4. Kurzreferat Dr. Roger Hopfinger: Zukunftspläne der Trenitalia für Südtirol und Italien.
Der Generaldirektor von Trenitalia Südtirol/Trentino stellte kurz den Konzern Trenitalia vor, der mit ca. 60.000 viele Geschäftsfelder bedient, mittlerweile nicht nur in Italien, sondern in Europa und weltweit. Trenitalia Südtirol/Trentino ist praktisch ein Subunternehmen, aber mit starkem lokalen Bezug. Allein 2018 sind Investitionen in der Höhe von 8 Mrd. Euro geplant. Überraschend war, dass Trenitalia trotz niedriger Tarife eine der renabelsten Bahnen Europas ist, hatte man doch früher nur von riesigen Defiziten gehört. In der Region Trentino-Südtirol beschäftigt Trenitalia hat einen Umsatz von 57Mill. Euro. Man verfüge mitlerweile über eine sehr moderne Flotte mit 14 Flirt-Zügen und 7 Jazz-Zügen, dazu noch einige ältere, modernisierte Zuggarnituren. Das Team von Dr. Hopfinger umfasst 350 Mitarbeiter und diese sollen um weitere 70 Mitarbeiter aufgestockt werden, um für die nun dazukommenden Aufgaben, wie Zugleistungen auf der Vinschgaubahn gerüstet zu sein. Er appellierte an die Mitglieder, für diese Jobs bei Bekannten und Verwandten zu werben. Trenitalia Südtirol/Trentino sei schon lange kein rein italienischer Betrieb mehr und die deutschsprachigen Mitarbeiter seien in der Mehrheit. Er stellte auch kurz seinen Produktionsleiter Michael Nothegger vor.
5. Kurzreferat: Dipl. Oec. B. Geppert: Internationale Entwicklung im Bereich e-Ticketing- Chancen für Südtirol.
Weil Südtirol schon frühzeitig den Südtirol-Pass eingeführt habe und weil der bereits so verbreitet ist, lassen sich zukünftige Erweiterungen gut vorstellen. Eine davon wäre, dass bei Betreten und Verlassen des Fahrzeuges automatisch der Fahrpreis berechnet würde, ohne Stempelung. Ein einheitliches elektronisches Ticket für die verschiedensten Verkehrsträger, die man bis zum Erreichen des Zieles nutzt, wäre ebenfalls möglich sowie eine optimale Routenplanung oder das Erweitern um Einkäufe und weitere Dienstleistungen. Er stellte auch kurz das Projekt "Ideenzug" (ein Projekt der Deutschen Bahn) vor, bei dem 22 Ideen für für die Regionalbahn der Zukunf tpräsentiert werden. Bernd-F. Geppert regte auch eine Art Südtirolpass für Touristen an, die damit die verschiedensten Dienstleistungen wie Fahrten und Eintritte bequem abbuchen könnten.
6. Kurzreferat Ing. Paul Stopper: Überlegungen Zugverbindung Bormio - Vinschgau – Schweiz. Der Schweizer Verkehrsplaner, ein treues und engagiertes Mitglied des Vereins, informierte über die Studie zu einer Zugverbindung von Südtirol ins Veltlin über Val Müstair. Das ist keine ganz neue Idee, wie alte Pläne zeigen. Eigentlich - so Paul Stopper - wäre es nach Bormio nur ein Katzensprung, aber derzeit sei das Veltlin nur im Sommer über das Stilfserjoch und sonst nur mit großen Umwegen erreichbar. Er erläuterte die Zile der Maktroregionalen EU-Strategie für den Alpenraum, welche Wettbewerbsfähigkeit und den Zusammenhalt stärken, die Erreichbarkeit gewährleisten und die Möglichkeiten zum Zusammenkommen stärken möchte, und das ökologisch nachhaltig und attraktiv. Neben einem Einvernehmensprotokoll der Hauptleute von Südtirol und der Lombardei, gibt es auch bereits eine Vorstudie zum möglichen Trassenverlauf. Eine rasche Realisierung einer Bahnverbindung zwischen Mals und Bormio und dann weiter nach Tirano hätte folgende Vorteile: ganzjährige, wintersichere und kurze Verkehrsverbindung für Bahn und auch Straße (wenn man eine Autoverladung vorsehe), umsteigefrei und mit stark reduzierten Fahrzeiten. Stopper plädierte dafür, einen dosierten Transport von PKWs und LKWs auf den Zügen wegen der vielen Vorteile nicht von vorneher auszuschließen und zeigte eine Reihe von funktionierenden Beispielen. Um die Baukosten dieser Bahn, die je nach Trassenwahl mehr oder minder in Tunnels verliefe, zu reduzieren, könnte man die Tunnelröhren auch mit Hochspannungskabel versehen und sich so die Energiewirtschaft an den Kosten beteiligen. Auch würde so mancher hässliche Strommasten aus der Landschaft verschwinden.
7. Dr. Arthur Scheidle: 6. Wettbewerb „Bahnhof des Jahres“ und Bekanntgabe des Siegers.
Der Vorsitzende der Jury stellte zunächst den Wettbewerb vor. Dies sei nun schon der 6. Bahnhof, der inzwischen ausgezeichnet werde. Waren die bisherigen im Tale, ist der heurige auf ca. 1000 Meter gelegen. Seit 1907 fährt am Ritten eine Schmalspurbahn, heute nur mehr auf einem Teilnetz, früher umsteigefrei mit Zahnradbetrieb bis Bozen Zentrum. Der Bahnhof des Jahres 2018 ist nun Oberbozen. Viele Kriterien waren für die Wahl ausschlaggebend, einige davon sind: restauriertes historisches Bahnhofsgebäude, einladend gestalteter Vorplatz (benannt nach dem Tiroler Bahnpionier Ing. Josef Riehl), gute Platzierung des Tourismusbüros, historische und moderne Garnituren im Einsatz, die in einer vorbildlich restaurierten Remise und Werkstatt gewartet werden. Der Bürgermeister Paul Lintner zeigte sich sehr erfreut. Gefeiert wird das am 26. Mai am Ort.
Hannes Guggenberger vom Verein Gailtalbahn in Kärntnen dankte dem Präsidenten Walter Weiss für seine Unterstützung in Form eines Vortrages, den er in Hermagor gehalten hat - und überreichte ihm eine Urkunde. Anschließend sei der Verein gegründet worden, der sich für die Wiederinbetriebnahme des mittlerweile aufgelassenen Teilstückes von Hermagor nach Kötschach-Mauthen einsetzt. Die Strecke wird nicht abgebaut und ist zur Zeit mit Draisinen befahrbar, ein Betrieb mit Zügen ist auch noch möglich.
In der wegen der vielen Beiträge etwas kurzen Diskussion wurde darum gebeten, noch besser über die Veränderungen bei der Vinschgaubahn zu informieren (Fahrzeiten, Rollmaterial), Kritik wurde an der Organisation des Schienenersatzverkehrs zwischen Töll und Meran laut und in der Auseinandersetzung mit der SAD gab es Solidaritätsbekundungen für den Landeshauptmann.
Mit einem Buffet klang die Sitzung aus. Viele blieben, um sich auszutauschen. Sehr positiv registriert wurde auch, dass der Landeshauptmann die ganze Zeit über geblieben ist.




